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Aus der Krise fahren

Auf der Automesse IAA schieben die Hersteller diese Woche ihre neuesten Modelle ins Rampenlicht, während Gewinne und Aktienkurse der Autobauer unter Druck stehen. Gute Nachrichten sind derzeit rar – aber nicht ausgeschlossen.

Auf der internationalen Automobilausstellung IAA in Frankfurt präsentiert sich die Branche in den kommenden Tagen mit großem Spektakel: VW stellt beim Heimspiel den ID 3 vor, der nach Käfer und Golf das dritte völlig neu entwickelte Massenmodell in der Geschichte des Konzerns werden soll. Auf der anderen Seite prägt der anhaltende SUV-Boom mit zahlreichen neuen Modellen die Messe – die zunehmend in Verruf geratenen Dickschiffe verkaufen sich im Gegensatz zu den Elektroautos prächtig und werfen obendrein satte Margen ab. Die beiden Extreme verdeutlichen den Spagat zwischen alter und neuer Autowelt, den die Branche derzeit meistern muss.

Für Marc Decker, Leiter Asset Management bei Merck Finck Privatbankiers, ist die IAA ein reines Ablenkungsmanöver: „Der schöne Schein kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Branche sich im Krisenmodus befindet.“ Dieselskandal und ein schwächelnder Absatz auf dem deutschen ebenso wie auf dem enorm wichtigen chinesischen Markt, der lange Zeit als Stabilisator für die heimischen Autobauer galt, sind für ihn klare Indikatoren für einen negativen Trend der Branche. Zumal den fallenden Absatzzahlen steigende Ausgaben für Forschung und Entwicklung gegenüberstehen, schließlich erfordern Elektromobilität und autonomes Fahren Milliarden-Investitionen. Die Folge: Der Daimler-Konzern korrigierte erst kürzlich seine Gewinnprognose zum zweiten Mal in kurzer Zeit nach unten, bei BMW sank der Konzernüberschuss im zweiten Quartal von 2,1 auf 1,5 Milliarden Euro. Für Decker mehr als nur eine momentane Schwäche: „Die deutsche Automobilindustrie droht den Anschluss an die Weltspitze zu verlieren.“ Dafür sorge auch die zunehmende Konkurrenz branchenfremder, finanzstarker Unternehmen wie Google, Apple und Uber.

Kleine Erholung könnte für Neubewertung sorgen

Andere Experten loten angesichts massiver Kursverluste bei Autoaktien in den vergangenen Monaten bereits wieder aus, woher das Licht am Ende des Tunnels kommen könnte. „Aktien steigen im Wert nicht einfach an, weil sie günstig sind“, sagt Diego D'Argenio, Teamleiter Global ESG Integrated bei Swisscanto Invest. „Hierzu sind gewisse Signale notwendig.“ D‘Argenio zufolge könnte bereits eine bescheidene Erholung des chinesischen Markts diese Funktion ausüben und für eine Neubewertung des Automobilsektors sorgen. „Aktuell ist die Erwartungshaltung gegenüber Autoherstellern extrem tief. Deshalb kann schon eine leichte Aufhellung im chinesischen Automarkt einen signifikanten Schub bei den Aktienkursen auslösen.“

Denn für D’Argenio steht die Autoindustrie nicht so schlecht da, wie es derzeit scheint: Die Finanzlage vieler Autohersteller sei robust, die Aktienkurse preisten bereits massive Gewinnrückgänge ein. Außerdem zeige das Beispiel des US-Elektroauto-Pioniers Tesla, wie schwierig es für neue Unternehmen sei, in der Branche ein profitables Geschäftsmodell zu etablieren. „Historisch gesehen ist der beste Zeitpunkt für eine Investition in Automobilaktien dann, wenn die Gewinne substanziell unter Druck kommen und die Markterwartungen auf Tiefstständen notieren“, sagt D’Argenio. „Es sind keine Anzeichen zu sehen, warum es dieses Mal anders sein sollte als in den vergangenen 30 Jahren.“

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