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Basel IV: Deutsche Banken werden übermäßig belastet

Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht hat vor kurzem verschiedene Risikoarten im Bankgeschäft neu definiert. Eine quantitative Analyse zeigt nun, dass Basel IV insbesondere deutsche Finanzinstitute im internationalen Vergleich übermäßig belastet.

Die Gruppe der Notenbankpräsidenten und Leiter der Aufsichtsbehörden (GHOS) im Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht haben im Dezember 2017 die „Finalisierung von Basel III“ verabschiedet. Das Ziel des Reformpaketes war, die Institute krisenfester zu machen. Nach Meinung vieler Bankenvertreter reichen die Anforderungen des Baseler Ausschusses inzwischen aber weit über die ursprüngliche Zielsetzung hinaus. Mittlerweile wird in der Branche längst von Basel IV gesprochen.

Kein Wunder, die „Reform“ hat es in sich. Ihre Umsetzung stellt sich als große Herausforderung für die europäische Bankenlandschaft heraus. Denn laut Basel IV werden die Methoden zur Ermittlung der mit Eigenkapital zu hinterlegenden Risiken komplett überarbeitet. Dabei wird jede Risikoart grundlegend neu bewertet.

Ein Streitthema der Reform: der signifikante Anstieg der risikogewichteten Aktiva (RWA) für die Institute. Lange Zeit hatten sowohl der Baseler Ausschuss als auch die Vertreter der deutschen Aufsichtsbehörden, bestehend aus BaFin und Bundesbank, versucht, diese Änderung zu verhindern. Das ist nicht in vollem Umfang gelungen.

Das Ergebnis beschäftigt nun die betroffenen Banken. Wie sich verschiedene Regelpakete innerhalb von Basel IV in der Realität auswirken, hat der Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands (VÖB) in einer Studie untersucht. Dazu wurde eine Musterbank mit den Daten von 16 der 21 deutschen EZB-beaufsichtigten Banken gebildet. Es handelt sich bei der Musterbank also nicht um ein fiktives Finanzinstitut.

Die Musterbank beruht auf realen Geschäfts- und Offenlegungsberichten mit Stichtag 31. Dezember 2017. Mit diesen Daten wurden die Auswirkungen der nach Basel IV erwarteten Regeln in der Bilanz der Musterbank simuliert. Um möglichst praxisnah zu sein, wurden zudem die VÖB-Mitgliedsinstitute befragt. Der dabei bestimmte RWA-Auftrieb wurde als Simulationsparameter für die Musterbank genutzt.

Die Ziele von Basel IV können nicht erreicht werden

Das Ergebnis der Untersuchung ist ernüchternd: Die Musterbank konnte zwar zunächst enorme Zuwächse an hartem Eigenkapital und einen RWA-Abbau ausweisen. Die Quote stieg demnach von 12,3 Prozent (2015) auf 15 Prozent (2017). Der deutsche Bankensektor war demnach also erfolgreich. Zugleich ist es gelungen, Risiken abzubauen und die Banken zu stärken. Allerdings wird nach den Schätzungen der Autoren Basel IV einen RWA-Anstieg von 23 Prozent auslösen. Das ist maßgeblich mehr als das vom Baseler Ausschuss anvisierte Ziel von nicht mehr als zehn Prozent und bestätigt die grundlegende Kritik an der Reform. Denn für die Top 16-Banken in Deutschland, die als Grundlage für die Musterbank dienen, führt dies zu einem Rückgang der harten Kernkapitalquote um 2,8 Prozent-Punkte auf 12,2 Prozent und damit auf das Niveau von 2015. Basel IV wirft die Banken in diesem Punkt also um zwei Jahre zurück.

Das ursprüngliche Ziel der Regulatoren, keinen signifikanten RWA-Anstieg auszulösen, wird damit verfehlt, resümieren die Autoren der Studie. Jetzt werde es bei der Umsetzung von Basel IV darum gehen, die Nachteile für europäische Institute so gering wie möglich zu halten. Insbesondere die Langfristkultur in Deutschland könnte Schaden nehmen.

Banken sollen jetzt auf Zeit spielen

Das Fazit der Studie: Die Einigung zu Basel IV belastet die deutschen Institute im globalen Vergleich übermäßig stark. Umso wichtiger sei es nun, dass Basel IV weltweit im Gleichschritt umgesetzt wird, um europäische Institute nicht zu benachteiligen. Die Autoren schlagen vor, die neuen Regelungen des Baseler Ausschusses für das Handelsbuch (FRTB) in der Europäischen Union erst dann umzusetzen, nachdem die Arbeiten des Baseler Ausschusses, vermutlich zum Jahresende, abgeschlossen sind.

Die gesamte Studie "Die Folgen von Basel IV – eine quantitative Untersuchung" als PDF-Download.

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