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Checkliste: Planen für den Ruhestand

Finanzberater kennen das Problem: Viele ihrer Klienten haben oft nur vage Vorstellungen davon, wie sie den finanziellen Rahmen für die Zeit nach ihrem Arbeitsleben gestalten wollen. Eine neue Checkliste kann dabei helfen.

Wer heute als Finanzberater seine Dienste anbietet, ist mittlerweile in ein mehr oder weniger enges Regulierungs-Korsett gezwängt. Das Verbraucherschutzgesetz mit all seinen Regeln schreibt unter anderem das Ausfüllen eines Geeignetheitsbogens gemäß WpHG vor, der vor Gericht im Falle des Falles als Dokument für eine reguläre Beratung herangezogen wird. Die Kundenberatung zu finanziellen Themen ist im Rahmen von MiFID II in weiten Teilen gesetzlich geregelt.

Auch die Einführung einer DIN Norm (siehe Hintergrund-Artikel zur Einführung der DIN 77230) steht bereits ante portas. Während der oben angesprochene Geeignetheitsbogen das Ergebnis einer Finanzanalyse abbildet, dokumentiert die DIN Norm die Analyse mithilfe einer zertifizierten Software, die sich präzise an die DIN-Vorgaben hält. Der Analysevorgang wird also protokolliert. Zugleich macht die Norm Vorgaben zu den abzufragenden Themenbereichen. Sowohl bei Anwendung der Norm als auch bei der Geeignetheitsprüfung werden Vermögen, Verbindlichkeiten, Einnahmen und Ausgaben abgefragt.

Ruhestandsplanung ist ein ganz eigenes Thema

Das Thema Ruhestandsplanung spielt beim Geeignetheitsbogen, der vor allem auf die Erfahrung der Anleger mit bestimmten Finanzinstrumenten zielt, keine Rolle. In der DIN ist es immerhin ein Teil der dreistufigen Finanzanalyse. Finanzberater wissen: Gerade die finanzielle Planung für die Zeit nach dem aktiven Erwerbsleben hat es in sich, auch emotional. Klienten beschäftigen sich lieber mit dem Thema Vermögensaufbau als damit, wie sie von den aufgebauten Ressourcen im Alter zehren können. Und wenn sie sich dann notgedrungen damit beschäftigen, unterliegen sie dabei oft fatalen Fehleinschätzungen. „Das Hauptproblem der Ruhestandsplanung ist, dass die meisten Menschen nicht wissen, welche Ausgaben sie als Rentner tatsächlich haben werden“, sagt Professor Dr. Rolf Tilmes, Vorstandsvorsitzender des Financial Planning Standards Board Deutschland (FPSB Deutschland).

Und weil die Verbraucher diesen Bedarf unterschätzen, sorgen sie schlecht vor. Die Global-Investor-Studie der Investmentgesellschaft Schroders brachte dazu bemerkenswerte Ergebnisse zutage. Demnach schätzen die hierzulande Befragten, dass sie 38 Prozent ihrer Alterseinkünfte für Lebenshaltungskosten wie Wohnen, Essen und Kleidung ausgeben werden. Tatsächlich liegt dieser Wert aber höher, nämlich bei fast der Hälfte der Ruhestandsbezüge.

Eine gute Beratung ist also dringend nötig. Einen guten Einstieg in das Thema bietet eine neue Checkliste, entwickelt vom FPSB Deutschland. Die „Checkliste Ruhestandsplanung“ soll Anleger dabei unterstützen, sich rechtzeitig finanziell auf den Lebensabend vorzubereiten. Die Botschaft der Checkliste: Um weiterhin den gewohnten Lebensstandard genießen zu können, ist Eigeninitiative der Anleger gefragt. Ausgaben und Einnahmen sollen dabei realistisch kalkuliert werden.

„Ein professionell erstellter Finanzplan kann dem verunsicherten Verbraucher helfen, entsprechende Defizite in der Ruhestandsplanung aufzudecken“, empfiehlt Tilmes. Nur solch ein genauer Fahrplan mit einer umfassenden Vermögens- und Rentenübersicht schafft die Voraussetzung, seinen lang ersehnten Ruhestand zufrieden und in finanzieller Freiheit genießen zu können. „Je komplexer das Vermögen und je unsicherer die Einkommenssituation, desto schneller ist eine Aktualisierung der Finanzplanung sinnvoll“, so der FPSB-Vorstand. Besonders dann, wenn sich Veränderungen im privaten Bereich, wie eine neue Familiensituation, ergeben, sollte die Planung zügig angepasst werden.

Die „Checkliste Ruhestandsplanung“ in sieben Punkten

Folgende Punkte sollten der FPSB-Empfehlung zufolge im Gespräch angegangen werden:

1. Kassensturz. Welche monatlichen Einkünfte stehen nach heutigem Stand im Alter bereits zur Verfügung? Wie hoch ist der Rentenanspruch? Was kommt aus der betrieblichen Altersvorsorge dazu?

2. Einnahmen und Ausgaben. Die Einnahmen sollten mit den voraussichtlichen Ausgaben im Alter verglichen werden. Was fällt an Kosten für Wohnen, Lebenshaltung, Mobilität, Konsum, Hobbys etc. an? Gilt es weitere Ausgaben wie Unterhalt oder laufende Verpflichtungen zu berücksichtigen? Inwieweit soll das Thema Pflegerisiko berücksichtigt werden?

3. Versorgungslücke. Ergibt sich aus diesem Abgleich eine Versorgungslücke, so sollte man anhand der im Folgenden erläuterten Schritte prüfen, welche Zusatzvorsorge in Frage kommt.

4. Finanzielle Zielvereinbarung. Zunächst erfolgt eine Berechnung, welches individuell notwendige Ruhestandsvermögen aufgebaut werden muss, um bis ins hohe Alter inflationsbereinigt ausreichend versorgt zu sein, und welche individuell notwendige Rendite nach Steuern folglich erzielt werden sollte.

5. Vermögensaufbau. Anschließend sollte berechnet werden, mit welcher individuell notwendigen Sparrate kalkuliert werden muss und welche Produkte in Frage kommen. Außerdem interessant: Welche staatlichen Förderungen können Sie für Ihre Ruhestandsplanung erhalten? Und welche möglichen Steuervorteile gibt es?

6. Versicherungsschutz. Nicht vergessen werden darf der Schutz gegen biometrische Risiken wie Berufsunfähigkeit und Pflegebedürftigkeit.

7. Regelmäßige Anpassung. Zu guter Letzt muss der erarbeitete Finanzplan regelmäßig auf den Prüfstand. Was hat sich verändert, welche Verträge sind eventuell ausgelaufen, was muss angepasst werden?

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