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Credit Defaults in China nehmen deutlich zu

Die Anzahl der Kreditausfälle in China wird 2019 wohl deutlich zunehmen. Im laufenden Jahr werden Schulden in Höhe von sechs Billionen Yuan fällig – 15 Prozent mehr als im vergangenen Jahr.

Die chinesische Wirtschaft steht weiter unter Druck. Derzeit liegt der Beitrag Chinas am globalen Wirtschaftswachstum bei etwa einem Drittel, doch gingen die Wachstumsraten zuletzt stetig zurück, während sich das Land weiterhin im Übergang von einer reinen Produktions- und Exportnation hin zu einer Dienstleistungsökonomie mit wachsender Binnennachfrage befindet. Der Handelskrieg, mit dem US-Präsident Donald Trump den Handelsbilanzüberschuss der Chinesen bekämpfen will, zeigt indes Wirkung: Die Kosten für beide Volkswirtschaften gehen in die Milliarden.

Deshalb versucht die chinesische Regierung, die heimische Wirtschaft nach Kräften zu unterstützen. Dabei pumpt die PBOC in letzter Zeit eher Liquidität in die Wirtschaft,  als die Zinsen zu senken.

Während sich das Wachstum in China abschwächt, erwartet die Ratingagentur Standard & Poor's, dass Peking weitere Stimuli einsetzt, und zwar vor allem in Form von Steuersenkungen und erhöhten Staatsausgaben, um etwa Infrastrukturmaßnahmen zu fördern. Davon werden vor allem größere und etablierte Unternehmen profitieren, schreibt die Agentur. Kleine und verschuldete Unternehmen stünden hingegen derzeit vor einem hohen Refinanzierungsrisiko.

Bis 2018 waren Firmenpleiten in China eher selten. Doch im Verlauf des vergangenen Jahres stieg die Zahl der Defaults signifikant: Während die Quote der Kreditausfälle im ersten Halbjahr noch 0,13 % betrug, stieg sie im zweiten Halbjahr auf über 0,5 %. Und sie soll weiter zunehmen, erwartet S&P, weil die Fördermaßnahmen die Risiken der überschuldeten Unternehmen nicht abmildern können.

Defaultraten in China
Defaultraten in China

Quelle: Standard & Poor's

Laut Schätzungen von S&P werden 2019 Schulden in Höhe von mehr als sechs Billionen Yuan (680 Mrd. €) fällig, das bedeutet einen Zuwachs von mehr als 15 % gegenüber 2018. Den höchsten Anteil haben dabei die Local Government Financing Vehicles (LGFV), mit denen lokale Institutionen Infrastruktur finanzieren. Deren Schuldenstand betrug Ende 2017 bereits 37 Billionen Yuan (4,8 Bio. €) bzw. 45 % des BIP. An zweiter Stelle stehen Unternehmen aus der Metall- und Bergwerks-Branche, dann folgen Immobiliengesellschaften.

“Wir glauben, dass ein schlechtes Konsumklima zusammen mit den Unsicherheiten aus den Handelskonflikten zu einem breiten Niedergang über alle Sektoren hinweg führen kann”, schreiben die Analysten von S&P.

China hat zwar Anstrengungen unternommen, die Schuldenlast einzudämmen, der Erfolg ist jedoch nur mäßig: Lag die Gesamtverschuldung der Unternehmen Anfang 2017 noch bei 154 % des BIP, konnte sie zum Jahresende bereits auf 147 % heruntergefahren werden. Nach den neuesten Zahlen ist sie jedoch im zweiten Quartal 2018 wieder auf 155 % zurückgeschnellt. Laut S&P wird die Verschuldung der Unternehmen auch in diesem Jahr fortschreiten, wenn auch in geringerem Ausmaß, da die Investmentaktivitäten stark eingeschränkt wurden. “Die Gewinne und EBITDA werden wohl weiter zurückgehen und damit auch die Fähigkeit der Unternehmen, Raten und Rückzahlungen zu bedienen.

Der China-Experte Trivium will den steigenden Firmenpleiten jedoch auch eine positve Seite abgewinnen: So könnten Investoren das Risiko besser bepreisen. 2019 wird laut Trivium ein Rekordjahr, was die Anleihen-Defaults angeht. Solange diese jedoch geordnet abgewickelt würden – wie das 2018 der Fall war – würde sich das jedoch nicht in einer höheren Volatilität niederschlagen.

Erste Anzeichen für steigende Zahlungsausfälle werden sich laut S&P vor allem bei Unternehmen zeigen, die “Upstream” – also in der Rohstoffförderung – tätig sind, wenn aufgrund des Handelskriegs und einer nachlassenden Weltkonjunktur die Preise sinken und die Nachfrage nach Öl, Gas und Metallen zurückgeht. “Downsream” arbeitende Unternehmen würden aufgrund der geringeren Nachfrage die niedrigen Preis nicht nutzen können. Dabei werde sich die Kluft zwischen großen und kleinen Unternehmen stetig vergrößern und das Risko von Herabstufungen und Zahlungsausfällen weiter steigen.

Im Januar hat Peking bereits die Steuern für kleinere Unternehmen um 200 Milliarden Yuan ( 26 Mrd. €) gesenkt. Aber der Staat besitzt anders als in der Vergangenheit heute nicht mehr den Spielraum, die Liquiditäts-Schleusen zu öffnen. Es bleibt also spannend, mit welcher Geschwindigkeit die Zahlungsausfälle in der chinesischen Wirtschaft zunehmen. Noch scheinen Investoren allerdings nicht allzu besorgt: Der Spread von LGFV gegenüber chinesischen Staatsanleihen ist Mitte Januar auf 119 Basispunkte gefallen.

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