Fundresearch

Fundresearch

Mit den Marktnews von Fundresearch erhalten Sie die aktuellsten Informationen am Fondsmarkt

Credit Suisse: Staubsaugen Sie etwa noch selbst?

Staubsaugerroboter zeigen, wie der technische Fortschritt innovative robotertechnische und automatisierte Lösungen einem breiten Publikum zugänglich machen. Auch anderen Roboterlösungen steht daher eine rosige Zukunft bevor - eine Chance für thematische Aktienfonds.

Über fünf Jahrzehnte waren Roboter und Automatisierungssysteme im grossen und ganzen nur in der Industrie im Einsatz. In dieser ganz eigenen Welt wurde die Robotik vor allem von grossen Produzenten, allen voran Automobilherstellern und Halbleiterfabriken, eingesetzt, um sich die durch Robotik entstandene Produktivitäts-, Qualitäts- und Effizienzsteigerung zu Nutze zu machen. 

In jüngster Zeit aber, getrieben durch den Fortschritt in der Sensorik, bei Computerprozessoren, intelligenten Software-Algorithmen und Hochgeschwindigkeitsfunknetzen, sind Roboter heute sicherer, kostengünstiger, benutzerfreundlicher und intelligenter als je zuvor. Kein Wunder, dass sie allmählich die Fabrikmauern hinter sich lassen und zunehmend nützliche Aufgaben in zahlreichen Bereichen leisten, bei denen nicht nur Kraft und Geschick, sondern auch kognitive Fähigkeiten gefragt sind. (Abbildung 1.) 

Abbildung 1: Globaler Robotikmarkt (Erträge in Mia. USD)

(Quelle: Boston Consulting Group, «Gaining Robotics Advantage», Juni 2017)

Da die Technologie erschwinglicher wird und die Robotik immer mehr Einsatzmöglichkeiten und Annehmlichkeiten bietet, dürften Roboter und Automatisierungssysteme vermehrt Einzug in unseren Alltag finden. Je vertrauter uns die Robotertechnik wird, desto eher werden wir sie auch bei uns zu Hause einsetzen. (1) (1 Siehe auch: PwC «Service robots: The next big productivity platform», September 2016)

Ihr Serviceroboter immer zu Ihren Diensten! 

Der Begriff «Serviceroboter» bezeichnet Roboter, die nicht in Fabriken eingesetzt werden, sondern etwa im Haushalt, Restaurants oder Hotels dem Menschen nützliche Dienstleistungen erbringen. Prognosen zufolge dürfte der globale Markt für Serviceroboter von USD 2,5 Mia. (jährliche Erträge) im Jahr 2015 auf fast das Zehnfache, nämlich eindrucksvolle USD 23 Mia., im Jahr 2025 anwachsen. Bis dahin dürften Serviceroboter über einen Viertel des Robotertechnikmarktes ausmachen (Abbildung 1). Diese Schätzungen sind eindrücklich, aber die Stückzahl ist ebenso imposant: Die International Federation of Robotics schätzt, dass zwischen 2016 und 2019 insgesamt 42 Millionen Serviceroboter Abnehmer finden werden, die dann privat und im Haushalt eingesetzt werden. Haushaltsroboter (zirka 31 Millionen Stück) dürften dabei an erster Stelle stehen. Zu 96 % dürften sie zum Staubsaugen und Bodenputzen benutzt werden. Die restlichen rund 11 Millionen Serviceroboter werden sich aus jeglicher Art von Unterhaltungsrobotern oder Kinderspielzeug zusammensetzen.(2)  (2 Quelle: International Federation of Robotics, «Publication of World Robotics 2016 – Service Robots», Oktober 2016 )

Für die meisten von uns gehört Haushaltsarbeit zum Alltag. Eine Umfrage des kanadischen Reinigungskonzerns Molly Maid ergab, dass Erwachsene in Grossbritannien pro Woche im Schnitt 26 Stunden für ihren Haushalt aufwenden. Auf das ganze Leben bezogen sind das rund 10 Lebensjahre(3). Diese Zeit liesse sich auch für Unterhaltsameres, Erholsameres oder für Weiterbildung nutzen. Die vollautomatisierte Haustechnik hingegen, bestehend aus einer Reihe von raffinierten, intelligenten Robotern, die unseren Haushalt in perfekter Harmonie erledigen, dürfte noch einige Zeit auf sich warten lassen. Der erste Schritt auf dem Weg zu einer solchen utopischen Haustechnik ist allerdings bereits getan. (3 Quelle: Molly Maid, « Survey shows Brits spend 10 years of their life doing household chores », April 2014) 

Abbildung 2: Anzahl Robotikunternehmen mit Konsumenten als Zielgruppe


Roboterstaubsauger 

Die meisten Staubsaugerroboter sind kleine, batteriebetriebene Geräte, die sich aufgrund einer Reihe von intelligenten Sensoren selbstständig im Haus orientieren und kurz bevor ihre Batterien aufgebraucht sind zur Ladestation zurückkehren. Die modernsten Modelle sind derzeit etwa mit Sensoren ausgestattet, die Schmutzablagerungen ausfindig machen, oder mit Algorithmen, die den Wegverlauf erfassen, um das Weiterstaubsaugen nach dem Aufladen dort zu gewährleisten, wo aufgehört wurde. Die neusten Modelle lassen sich über eine Smartphone-App zudem fernsteuern. So kann der Besitzer den Roboter auch manuell «führen», nachvollziehen, wo schon geputzt wurde und Einsatzplanung für die Reinigung betreiben. Manche Geräte haben auch eine Schnittstelle für digitale Assistenten wie «Alexa» von Amazon oder den «Assistant» von Google, sodass sie auch mit Sprachbefehlen gesteuert werden können. Noch steht die Saugleistung dieser Geräte hinter traditionellen Handstaubsaugern, dafür bestechen sie durch Autonomie – die Wohnräume werden geputzt, während man ausser Haus ist. 

Staubsaugerroboter wirken täuschend einfach, sie stellen Ingenieure, Designer und Programmierer aber vor enorme Herausforderungen: Wie kann man ein Gerät, dass unter einen Salontisch passt, mit genügend Saugleistung ausstatten, wie muss die Software aussehen, damit der Roboter Hindernisse erkennt und meidet, wie lassen sich der Grundriss und die Möblierung sowie die zurückgelegten Wege skizzieren? Das schwedische Unternehmen Electrolux brachte 2001 den ersten kommerziellen Staubsaugerroboter auf den Markt. iRobot, ein Unternehmen aus den USA, folgte ihm 2002 mit dem «Roomba». Dyson, ein nicht kotiertes Unternehmen aus Grossbritannien, stellte 2004 seinen «DC06» vor, und seither sind zahlreiche andere Hersteller wie Miele, Samsung, Ecovacs, LG und Neato auf diesen Zug aufgesprungen.  

Die Anzahl Markteinsteiger lässt Schlüsse auf die potenzielle Nachfrage zu, man sollte die technologischen Barrieren jedoch nicht unterschätzen. Bei dem für seine Innovationskraft bekannten Engineering-Unternehmen Dyson schätzt man die Entwicklungsinvestitionen für Staubsaugerroboter in den letzten 20 Jahren auf nahezu USD 50 Millionen(4). Dennoch nahm Dyson kurz vor der Lancierung den DC06 vom Markt, da das Unternehmen das Gerät als zu teuer für den Detailhandel erachtete.(5) Das Unternehmen überarbeite das Konzept nochmals und lancierte 10 Jahre später, d. h. 2014, mit dem «360 Eye» ein ziemlich erfolgreiches Produkt, das aber kein Kassenschlager wurde. Trotz der zunehmenden Konkurrenz und der Bemühungen von Dyson ist der US-amerikanische Anbieter iRobot den Mitbewerbern bis heute sowohl aus technologischer Sicht als auch bei Konsumentbeurteilungen voraus und hält zurzeit einen weltweiten Marktanteil von über 60 %. (4 Quelle: TechCrunch, « Dyson reveals its all-seeing robot vacuum, the 360 Eye», September 2014; 5 Quelle: «Dyson 360 Eye robot. The engineering story – 17 years. One vision» auf der Homepage des Unternehmens www.Dyson.co.uk)

iRobot wurde in den 1990er-Jahren von einer Gruppe von Entwicklern am MIT im Labor für künstliche Intelligenz gegründet. Der erste Geschäftsabschluss bezog sich auch nicht auf Staubsauger, sondern auf die Lieferung eines leichtgewichtigen, tragbaren Roboters für die Rucksäcke der US-amerikanischen Infanterie im Auftrag der US-Behörde Defense Advanced Research Projects Agency (DARPA). iRobot trennte sich im Jahr 2016 von diesem Geschäftszweig, um sich voll und ganz dem laut der Unternehmensleitung wesentlich grösseren Markt der Robotertechnik, zum Einsatz in Privathaushalten, zu widmen. Seit der Markteinführung seines ersten Staubsaugerroboters im Jahr 2002 hat iRobot inzwischen weltweit nahezu 20 Millionen Haushaltsroboter verkauft. Im Jahr 2016 generierte das Modell «Roomba» mehr Absatz (in USD) als jeder andere Staubsauger in den USA.(6) (6 Quelle: Jahresberichte des Unternehmens iRobot und Transkripte von Telefongesprächen mit der Unternehmensleitung.  )

Ein kleiner Schritt für die «Roboter-heit» 

In den letzten fünf Jahren ist der Markt für Staubsaugerroboter mit nahezu 20 % p. a. deutlich rascher gewachsen als der Markt für andere Arten von Staubsaugern im Vergleich mit unter 4 % p. a Wachstumsrate(7). Effektiv entfallen inzwischen etwas mehr als 20 % des gesamten Staubsaugerabsatzes weltweit auf Staubsaugerroboter. Ihr Marktanteil dürfte auch weiterhin steigen. Der Studie «Global Robotic Vacuum Cleaner Market» zufolge ist in diesem Segment bis 2021 mit einem Marktvolumen von USD 3,3 Mia. zu rechnen.(8) Obwohl man meinen könnte, dass die USA hier eine Vorreiterrolle spielen, ist die Region EMEA derzeit der grösste Absatzmarkt: Im Jahr 2016 wurden in der Region EMEA Staubsaugerroboter im Wert von rund USD 615 Mio. verkauft, gefolgt von Nordamerika (USD 423 Mio.) und Asien (USD 418 Mio.). (Abbildung 3) (7 Quelle: Staubsauger>$200, 2014 Detailhandelspreise (Grundlage von NPD, GfK, Euromonitor und internen Daten von iRobot); 8 Quelle: Research and Markets, «Global Robotic Vacuum Cleaner Market – Strategic Assessment and Forecast 2021», November 2016)

Abbildung 3: Markt für Staubsaugerroboter



Quelle: Staubsauger >USD200, Detailhandelspreise2014 (auf Grundlage von NPD, GfK, Euromonitor und internen Daten von iRobot)

Trotz dieser beeindruckenden Wachstumsraten ist die Marktpenetration nach wie vor gering. Konservativen Schätzungen zufolge besitzen derzeit lediglich 2 bis 3 % aller Haushalte weltweit einen Staubsaugerroboter. Interessanterweise löst der Staubsaugerroboter den traditionellen Staubsauger häufig nicht ganz ab. Er wird vielmehr für den bequemen, täglichen Einsatz gekauft und neben dem klassischen Staubsauger verwendet. Aus Preisgründen haben diese Geräte den Massenmarkt noch nicht erobert. Im Detailhandel kostet ein Staubsaugerroboter üblicherweise zwei- bis dreimal mehr als ein klassisches Gerät. Für die meisten Haushalte ist dies zu teuer. Und wer sich ein solches bequemes Luxusgerät leisten kann, hat ironischerweise zumeist auch genügend Geld für eine Putzhilfe oder Hausangestellte. Die technologischen Fortschritte werden es aber ermögliche, zukünftig intelligentere, leichter zu bedienende und kostengünstigere Staubsaugerroboter auf den Markt zu bringen. Spätestens dann dürfte sich ein Grossteil der Konsumenten das lästige Staubsaugen ersparen wollen.

Roboter erobern den Alltag 

Will man den Trends glauben, zeichnet sich eine rosige Zukunft für Staubsaugerroboter und andere Haustechniksysteme ab. Immer striktere Mindestlohnvorschriften treiben in vielen Ländern die Lohnkosten für Hausangestellte und Reinigungskräfte in die Höhe. Gleichzeitig werden Robotertechnologien allmählich billiger, sodass der Kostenunterschied weniger ins Gewicht fallen dürfte. Die Reisetätigkeit entwickelt sich zu einem gesellschaftlichen Phänomen, immer mehr Termine werden in die Agenden gedrängt und die Digitalisierung fasst weltweit Fuss – das Leben der meisten Menschen wird immer geschäftiger. Immer häufiger besteht eine Lebenspartnerschaft aus zwei berufstätigen Personen, die weniger Zeit für Haushaltsarbeit haben. In immer mehr Haushalten lebt auch mindestens ein Haustier: 1988 hatten 56 % der USamerikanischen Haushalte eines, 2016 waren es 68 % oder 85 Millionen Haushalte.9 Weltweit lebt man zunehmend in Wohnungen auf einem Stockwerk anstatt in freistehenden, mehrstöckigen Einfamilienhäusern. Moderne Klimaanlagen und Heizungen ermöglichen den Verzicht auf Teppiche zugunsten von Holz- und Steinfussböden, ohne dass damit Komforteinbussen verbunden sind. Dieser moderne Lebens- und Wohnstil eignet sich wesentlich besser für den Einsatz von Staubsaugerrobotern als ein traditionelles mehrstöckiges Haus mit Teppichen, Vorläufern und Türschwellen. Allergien sind ebenfalls auf dem Vormarsch. Die tägliche automatisierte Reinigung mit einem Staubsaugerroboter oder einem ähnlichen System könnte hier, in Kombination mit einem Luftfilter, einen wertvollen Gesundheitsvorteil bringen. 

Fazit 

Die Entwicklung der Staubsaugerroboter illustriert, wie der technische Fortschritt dank tieferen Preisen und intelligenteren Technologien einen neuen Markt für innovative robotertechnische und automatisierte Lösungen schafft. Zwar gibt es diese Systeme inzwischen seit über zehn Jahren und der Markt wächst in einem gesunden Tempo, dennoch stehen wir bezüglich Marktpenetration noch am Anfang. Wir sind aber überzeugt, dass Staubsaugerroboter im Laufe der Zeit bei einer passenden Preissetzung im breiten Publikum Anklang finden werden und ihnen und anderen Roboterlösungen daher eine rosige Zukunft bevorsteht.

Da sich die Welt zur Steigerung der Produktivität und/oder Lebensqualität oder zur Vermeidung von schmutzigen oder gefährlichen Arbeiten zunehmend auf automatisierte und Robotersysteme verlässt, spielt die Sicherheit solcher Systeme eine immer wichtigere Rolle. Viele Staubsaugerroboter nehmen mit dem Staub auch private Daten auf, da sie unsere Wohnungen digital skizzieren, um sie zu säubern. Je mehr das Interesse an intelligenter Haustechnik steigt, desto eher können die Hersteller von Staubsaugerrobotern aus diesen Daten Profit schlagen und sie an andere Unternehmen verkaufen, die mit ihrer Hilfe eigene Lösungen und Produkte vermarkten. Staubsaugerroboter liessen sich dazu befähigen, zu erkennen, dass in einem leeren Raum Licht brennt, und den digitalen Assistenten daraufhin aufzufordern, es auszuschalten. Möglicherweise könnten sie ihren Besitzer oder die Notfalldienste auch bei Gaslecks, Wasserschäden oder Bränden alarmieren. Nicht wenige Menschen fühlen sich durch solche Entwicklungen in ihrer Privatsphäre bedroht. Die Idee, private Haustechnik mit einem öffentlichen Netzwerk zu verbinden, ist mit einiger Besorgnis sicherheitstechnischer Art verbunden. Es dürfte immer wichtiger werden, dass Gesetze und Vorschriften nicht nur mit der immer umfangreicheren aktiven Kommunikation zwischen Maschinen Schritt halten, sondern auch verbundene Risiken und Gefahren vorgängig erkennen und entsprechend zu regulieren versuchen.

Zwischen Robotik und Sicherheit besteht eine symbiotische Beziehung: Mehr automatisierte Systeme erfordern mehr Sicherheits- und Kontrollmechanismen. Mehr Sicherheits- und Kontrollmechanismen lasen sich wiederum nur mit zusätzlichen automatisierten Steuerungs- und Koordinierungsinstrumenten effizient betreiben. Das Asset Management der Credit Suisse hat zwei Strategien entwickelt, um Kunden ein «Pure Play»-Engagement in diesen interessanten und miteinander verknüpften langfristigen Wachstumsthemen zu bieten: Robotik und Automatisierung sowie Schutz und Sicherheit.

Weitere Informationen zu unserem thematischen Aktienfonds (wie aktuelle Fonds-Factsheets, Performanceberichte oder Quartalskommentare) finden Sie hier.



 


powered by
€uro FundResearch