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Degroof Petercam: Schwächen der Renten-Indizes für Emerging Markets

Die Emerging Market Debt (EMD) Benchmarks sind zu stark auf wenige rohstoffexportiertende Länder ausgerichtet, zeigt eine aktuelle Emerging Markets Sustainable Studie von Degroof Petercam.

Prinzipiell stehen Anleger bei dem Management ihrer Portfolios vor der Frage, ob Sie aktives oder passives Management bevorzugen sollen. Unter Berücksichtigung von Anlagezielen, Anlagebeschränkungen, Präferenzen und der jeweiligen Anlageklasse empfiehlt sich öfter eine Kombination von beiden Ansätzen. Wir bei Degroof Petercam Asset Management (DPAM) sind überzeugt davon, dass sich EM-Anleihen in Lokalwährung u.a. aufgrund der zumeist breiten Renditestreuung besonders gut für ein aktives Management eignen.

Zudem ist es unsere Überzeugung, dass eine Beschränkung auf die üblicherweise verwendeten Benchmarks das Rendite-Risiko-Profil verzerrt und dass Chancen in der Folge nicht wahrgenommen werden können. Dieses gilt auch für die Ausrichtung eines Portfolios aufgrund von Tracking Error (TE) Anforderungen in Hinblick auf diese Benchmarks. Typische Indizes für EMStaatsanleihen in Lokalwährung sind auf wenige Länder fokussiert und spiegeln in den seltensten Fällen den breiten EM-Markt wider.

Die nachstehende Tabelle veranschaulicht die Komponenten (mit Gewichtung) der zwei am häufigsten verwendeten Benchmarks der Anlageklasse:

Bei vielen Ländern, die in den klassischen Indizes aufgenommen werden, handelt es sich um Rohstofferzeuger (Energie, Metalle und/oder Landwirtschaft), die im Wesentlichen auf natürliche Ressourcen als Teil ihrer jeweiligen ökonomischen Modelle setzen. Fast jedes rohstoffreiche Land weltweit ist – oder war in der Vergangenheit – sehr darum bemüht, sich dieses „Geschenk der Natur“ zu Nutze zu machen. Wie sich historisch gezeigt hat, bauen die meisten Länder ihre Wirtschaftsleistung, wenn möglich, auf diesen vermeintlich „tiefhängenden Früchte“ auf. Und dies selbst auf die Gefahr hin, mit der (un-)bekannten „Holländischen Krankheit“ (Tulpenzwiebelblase) infiziert zu werden. Während die Erschließung natürlicher Vorkommen in der Regel kapitalintensiv ist, wird deren Finanzierung zum Teil durch die materielle Art von Bodenschätzen erleichtert.

Es ist daher nur logisch, dass insbesondere Großerzeuger von Rohstoffen ausländisches Kapital angezogen und die Entwicklung ihrer heimischen Kapitalmärkte beschleunigt vorangetrieben haben. Rohstoffländer wie Brasilien, Russland oder Südafrika sind folglich relativ stark in den Indizes gewichtet. Nicht überraschend zeigen EM-Staatsanleihenindizes in Lokalwährung mit ihrem hohen Anteil an Rohstoffexporteuren ein ähnliches Kursverhalten, wie Rohstoffe (wie in nachstehender Grafik dargestellt)

Diese starke Korrelation ist risikoreich und vermeidbar. Das EM-Anlageuniversum ist viel breiter als die 17 bis 18 Länder, die in den klassischen Indizes enthalten sind. Zudem weist es eine höhere Diversifizierung in Bezug auf ökonomische Modelle auf. Rund zwei Drittel der JP Morgan Indexmitglieder und 55% von Bloomberg Barclays Indizes stützen sich weitgehend auf hohe Rohstoffpreise, um ihre Haushalte und/oder Leistungsbilanzen auszugleichen.

Die Suche nach Diversifizierung und Granularität

Die Ausweitung des Anlageuniversums zur Erhöhung von Diversifizierung und Granularität ist eine der wichtigsten Säulen, auf die sich unser Ansatz zum Portfolioaufbau stützt. Diversifizierung dürfte wohl der einzige „Free Lunch“ an den Finanzmärkten sein. Gegenüber einer rein geografischen Diversifizierung, die sicherlich von Nutzen sein kann, halten wir ein Diversifizieren über unterschiedliche ökonomische Modelle hinweg für effektiver. Die Aufspaltung zwischen Rohstofferzeugern und -verbrauchern sorgt für ein ausgewogeneres Portfolio und ermöglicht es, Überschneidungen zwischen Rohstoffpositionen verstärkt zu kontrollieren. Beispielsweise muss so trotz einer optimistischen Einschätzung des Ölsegments nicht in jeden Ölproduzenten am EM-Markt investiert werden.

Letztendlich stellt sich die Frage, ob Anleger überhaupt in ein eng angelegtes und konzentriertes Anlageuniversum investieren sollten. Die Wertentwicklung des DPAM L Bonds Emerging Markets Sustainable ist dafür ein geeignetes Beispiel. Der Fonds überstand 2013 relativ gut das sogenannte „Taper Tantrum“ (Anmerkung:Die Reaktion der Anleihemärkte auf erwartete Zinsanhebungen; hier in den USA) und in den Jahren 2014 bis 2015 den Verfall der Rohölpreise und verzeichnete gegenüber Fonds, die an klassische Benchmarks gebunden waren, kaum Mittelabflüsse und eine niedrigere Volatilität. Die breitere Diversifizierung dürfte wohl einer der wichtigsten Gründe dafür sein. Damit wird deutlich, dass Anlagen in Schwellenmärkten nicht in erster Linie einem Engagement an Rohstoffmärkten entsprechen müssen.

Der komplette Marktkommentar als PDF-Dokument.

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