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Die Party geht weiter

Nachdem bekannt wurde, dass Christine Lagarde EZB-Präsidentin werden soll, schossen die Aktienkurse in Europa in die Höhe. Zugleich markierte die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen ein neues Allzeittief. Warum die überraschende Personalie Anlegern gute Laune machen sollte.

 

Viele Kandidaten wurden als potentielle Nachfolger von Mario Draghi für das Amt des Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) gehandelt. Bundesbank-Chef Jens Weidmann zählte dazu, auch der Finne Olle Rehn ging ins Rennen. Gewonnen hat aber eine Frau, die zuletzt niemand auf dem Schirm hatte: Am Dienstag nominierte die EZB die Französin Christine Lagarde für den Posten als oberste Währungshüterin. Sie gilt als Freundin des billigen Geldes, unter ihrer Leitung dürfte die EZB daher an der Politik der offenen Geldschleusen festhalten. Bei Aktien-Investoren kam diese Entscheidung gut an: Der deutsche Leitindex Dax schaffte den Sprung über die Marke von 12.600 Punkten. Er stürmte am Mittwoch gar auf bis zu 12.631 Punkte, den höchsten Stand seit fast einem Jahr.

Auch die Anleihemärkte reagierten prompt. Die Renditen für europäische Staatsanleihen verloren seit Dienstag abermals an Boden. Staatstitel aus Italien und Spanien rutschten quasi über Nacht um ein Zehntel Prozentpunkt nach unten. Auch in der Bundesrepublik ließ der „Lagar­de-Effekt“ nicht auf sich warten: Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe fiel hierzulande am Donnerstag auf ein neues Allzeittief von minus 0,409 Prozent. „Der Markt erwartet weitere Zinssenkungen der EZB und hat diese bereits eingepreist“, erklärt Chris Jeffery, Anlagestratege bei der Fondsgesellschaft Legal and General Investment Management (LGIM), den neuerlichen Rendite-Verfall.

Wie lange die Party an den Kapitalmärkten weitergeht, ist unter Finanzexperten umstritten. Denn derzeit werden die Kurse von der Hoffnung auf eine Verlängerung der Politik des billigen Gelds getrieben. Aktien-Investoren hoffen darauf, dass die Zinsen am Boden bleiben, Bondinvestoren zusätzlich auf die Wiederaufnahme des EZB-Anleihe-Kaufprogramms. „Ein solches Programm würde mit ziemlicher Sicherheit eine neue Version des Programms zum Ankauf von Unternehmensanleihen beinhalten“, sagt Wolfgang Bauer, Fondsmanager bei M&G Investments. Das wurde die Kurse europäischer Unternehmensanleihen mutmaßlich in neue Höhen treiben.

 

Die Profiteure der EZB-Anleihekäufe
Die Profiteure der EZB-Anleihekäufe

Hoffnungsrallys an den Kapitalmärkten sind allerdings äußerst fragil. Werden die Erwartungen enttäuscht, kann die Stimmung schnell kippen. „Sollte die EZB die Markterwartungen nicht erfüllen, könnten die Bewertungen europäischer Unternehmensanleihen unter Druck geraten“, warnt Bauer. Ein solches Szenario hält er aber für wenig wahrscheinlich. Vielmehr rechnet der Investmentstratege damit, dass die Notenbank ihr Anleihekaufprogramm nicht nur wiederaufnehmen könnte, sondern möglicherweise sogar auf Sektoren ausweitet, die sie bislang nicht im Blick hatte – beispielsweise Banken.

Banktitel machen fast 30 Prozent des Gesamtvolumens der in Euro ausgegebenen Investment-Grade-Anleihen aus. Eine solche Aktion würde das Anlageuniversum der EZB stark erweitern, sagt Bau­er – und das Anleiheangebot in den Märkten künstlich verknappen. Für europäische Kredithäuser dürften so die Risikoaufschläge und somit auch die Finanzierungskosten sinken: Eventuelle neue Zinssenkungen würden sich dann weniger negativ auf die Rentabilität der Banken auswirken. Der Kauf von Bankanleihen durch die Zentralbank bringt aber auch ein Problem mit sich: „Für die EZB könnte das ein Interessenskonflikt sein, denn am Ende würde sie damit genau die Institute finanzieren, die sie regulieren und überwachen soll“, sagt Bauer.

 

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