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Diese Chancen bieten Schwellenländer

Wer in Titel aus den Schwellenländern investiert, braucht viel Geduld und starke Nerven. Machtwechsel in der Politik wirbeln den Markt ebenso durcheinander wie der Handelsstreit zwischen den USA und China. Wie es für die Region weiter geht – und warum Investoren unter anderem in der Türkei und in Ägypten fündig werden.

 

Viele Anleger pflegen zu Schwellenländern eine stürmische Beziehung: Begeisterung wechselt mit Enttäuschung, Euphorie und Trübsinn trennen mitunter nur wenige Wochen. Im vergangenen Jahr überwog mal wieder der Pessimismus: Investoren haben der Region scharenweise den Rücken zugekehrt. Der bekannteste Aktienindex für Schwellenregionen, der MSCI Emerging Markets, hat 2018 rund 15 Prozent an Wert verloren.

Und immer noch hadern viele Investoren mit der Region. Der Handelskonflikt zwischen den USA und China schwebt wie ein Damoklesschwert über den Emerging Markets. Sollte der Streit eskalieren, dürften Schwellenländer-Titel zu den größten Verlieren gehören, fürchten Marktbeobachter. Hinzu kommen weitere regionsspezifische Risiken: „In der ersten Jahreshälfte haben zahlreiche Schlagzeilen für Bewegung an den Märkten gesorgt“, fasst Tim Love, Anlageexperte bei GAM Investments die Gemengelage zusammen. Mit anderen Worten: Die Märkte schwanken – mit unklarer Tendenz.

Die Region pauschal abzustrafen, hielte der GAM-Experte allerdings für einen Fehler. Denn die höhere Volatilität eröffnet auch Chancen für einen günstigen Einstieg. Beispiel Türkei: Die Wirtschaft des Landes steckt in der Krise, die Inflation liegt bei rund 20 Prozent. Viele Investoren kehrten dem Land bereits den Rücken zu, Aktien türkischer Unternehmen verloren massiv an Wert. Doch das  geschah möglicherweise zu Unrecht, sagt Love: „Nach den jüngsten Marktturbulenzen halten wir die Bewertungen in der Türkei für attraktiv.“ Der Getränkehersteller Coca Cola Icecek überzeuge beispielsweise nach wie vor durch stabile Gewinne im Ausland, hohem Eigenkapital und großer Marktmacht.

Abwärtsrisiken im Auge behalten

Skeptisch ist Love dagegen bei Indien. Dort hatten die Aktienmärkte nach der Wiederwahl des reformfreudigen Premierministers Narendra Modis zuletzt kräftig zugelegt. Investoren hoffen offenbar darauf, dass er seinen wirtschaftsfreundlichen Kurs fortführen wird. GAM-Experte Love rät zur Vorsicht. „Bislang bestand eine starke Abhängigkeit von der US-Wirtschaft“, sagt er. Doch das US-Wachstum hat seinen Zenit bereits überschritten. Derweil nehmen die Sorgen rund um den Zustand des Welthandels zu – wegen der Konjunktureintrübung ebenso wie wegen der protektionistischen Politik aus den USA. „Wir halten es für wichtig, die möglichen Abwärtsrisiken aufmerksam im Auge zu behalten“, sagt Love.

Auf Anleiheseite präsentieren sich die aufstrebenden Nationen ähnlich gespalten. „Die Schwellenländer und die Performance ihrer Schuldtitel werden von globalen Entwicklungen bestimmt“, sagt Uday Patnaik, Investmentexperte bei Legal & General Investment Management (LGIM). Investoren sollten daher bei der Titelauswahl auf einen Top-Down-Ansatz setzen, also die volkswirtschaftlichen Entwicklungen, Geld- und Fiskalpolitik analysieren und daraus ihre Anlagestrategie ableiten. 

Chancen sieht der Investmentstratege unter anderem bei ägyptischen Hartwährungsanleihen. „Ägypten wird 2019 zum ersten Mal seit 15 Jahren einen Primärüberschuss von voraussichtlich 1,3 Prozent erwirtschaften“, sagt Patnaik. Vor zweieinhalb Jahren verordnete sich die ägyptische Regierung ein umfassendes Reformprogramm: Sie gab den Wechselkurs des ägyptischen Pfunds frei, kürzte Subventionen und erhöhte die Treibstoffpreise. Die Staatsverschuldung sank daraufhin von über 100 Prozent des BIP im Jahr 2017 auf aktuell nur noch rund 85 Prozent. Auch für Anleihekäufer ist das ein beruhigendes Signal.

 

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