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DJE - Nahrungsmittelinflation

Jahrelang sind die Mieten und Immobilienpreise in den Ballungszentren gestiegen – wir haben uns daran gewöhnt. Steigende Nahrungsmittelpreise waren jedoch jahrelang kein Thema.

Das scheint sich nun zu ändern. Was das für den Agrarsektor bedeutet, analysiert Jörg Dehning, Fondsmanager des DJE – Agrar & Ernährung. Zwar setzt die aktuell schwächere Nachfrage nach Gemüse und Fleisch seitens der Gastronomie die Preise in diesen Segmenten unverändert unter Druck – dies könnte sich jedoch im Zuge einer erfolgreichen Coronavirus-Eindämmung schnell ändern.

Importnachfrage aus China treibt Nahrungsmittelpreise

Der von der Welternährungsorganisation (FAO) veröffentlichte Preisindex der diversen Nahrungsmittelpreise tendiert schon in den letzten Monaten eindeutig nach oben. Besonders auffällig sind die stark gestiegenen Preise für Pflanzenöle und Getreide. Auch bei den Notierungen für Mais und Sojabohnen kam es seit Mitte 2020 zu einer regelrechten Preisexplosion.

Der Auslöser? Ein wesentlicher Grund ist sicherlich die hohe Importnachfrage Chinas. Dabei dürften nicht nur unterdurchschnittliche Ernten im Reich der Mitte eine Rolle gespielt haben. Vielmehr führt die Aufstockung des Schweinezuchtbestandes nach der Afrikanischen Schweinepest zu einem höheren Futterbedarf, der im Inland allein nicht mehr zu decken war. Insbesondere das Bestreben der chinesischen Regierung, die Schweinezucht verstärkt in die Hände professioneller Zuchtbetriebe zu übertragen, hat nicht zuletzt die Beimischung von Mais gefördert. Es ist daher davon auszugehen, dass die höhere Nachfragedynamik hier noch einige Zeit anhalten dürfte, auch wenn am Einsatz effizienter Saatgutsorten gearbeitet wird. Die weiteren Ursachen für die Preis-Rallye sind dagegen eher ein temporäres Phänomen. Zu nennen sind hier witterungsbedingte Ernteausfälle, allen voran in Südamerika und in der Schwarzmeerregion.

Getreide- und Ölsaatenmärkte: angespannte Versorgungslage

Andererseits wird das verbesserte Preisumfeld dazu führen, dass viele US-Landwirte ihre Anbauflächen in diesem Jahr deutlich ausweiten. Trotz dieser Flächenausweitung erwartete das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) Ende Februar auf seiner jährlichen Prognose-Konferenz auch für 2021/22 durchaus eine angespannte Angebotssituation an den Getreide- und Ölsaatenmärkten. Demnach sollen die US-Soja-Endbestände nahezu auf dem niedrigsten Stand seit 2013/14 verharren. Aber selbst diese Vorhersage der USDA bleibt nicht ohne Risiko. Vor allem die Annahme durchschnittlicher Trenderträge im Rahmen der Flächenausweitung erscheint durchaus gefährlich. Üblicherweise erfolgt die Flächenerweiterung in Regionen mit weniger guten Böden und ungünstigeren klimatischen Bedingungen. Weitere Enttäuschungen hinsichtlich der Ernteschätzungen sind im späteren Jahresverlauf daher fast vorprogrammiert. Darüber hinaus könnte die Nachfrage sowohl seitens der Futtermittelindustrie (unterstützt durch den jüngsten Kälteschock in den USA), aber auch durch die Ethanol-Produzenten größer ausfallen als gedacht. Letzteres gilt insbesondere dann, wenn die Corona-bedingten Mobilitätsbeschränkungen enden. Die verkündeten Exportbeschränkungen einzelner Lieferländer (z.B. Russland und Argentinien) dürften außerdem die Bereitschaft einzelner Defizitstaaten erhöhen, vorsorglich Sicherheitslagerbestände aufzubauen.

Flächenausweitung: Vorteile für US-Düngemittel- und Saatgutanbieter

Entsprechend könnte die Preisdynamik bei den Agrarrohstoffpreisen in den nächsten Monaten nochmals an Fahrt gewinnen. Das würde auch den Aktien aus dem Agrar-Segment einen weiteren Impuls geben. Schon heute profitieren die meisten Aktien aus dem Düngemittel- und Saatgutbereich von verbesserten Absatzpreisen und Absatzmengen. Den größten Vorteil aus der avisierten US-Flächenausweitung genießen unweigerlich die am US-Markt etablierten Düngemittel-, Saatgut- und Pflanzenschutzanbieter. Deren Aktien haben zuletzt am meisten avanciert. Ein zu großes Umsatz-Exposure in Südamerika erwies sich hingegen schon allein wegen der Schwäche des Brasilianischen Reals oft als nachteilig.

Zu den weiteren Profiteuren der besseren Rahmenbedingungen gehört die Landtechnikbranche. Insbesondere die US-Landwirte sind bestrebt, ihren in die Jahre gekommenen Fuhrpark endlich zu erneuern. Gleichzeitig sind die Lagerbestände im US-Landtechnik-Großhandel im historischen Vergleich ausgesprochen niedrig, so dass die Hersteller auf die üblichen Händler-Rabatte weitgehend verzichten können. Dementsprechend ist davon auszugehen, dass man selbst die hohen Preissteigerungen bei Stahl vorerst ohne Probleme an den Endkunden weiterreichen kann. Der hohe Auftragsbestand sorgt aktuell zudem für eine wesentlich effizientere Auslastung in der Fertigung, sofern die Lieferketten trotz der Corona-bedingten Einschränkungen intakt bleiben.

Robotik und künstliche Intelligenz: mehr Effizienz im Agrarsektor

Aus Unternehmens- aber auch aus Investorensicht sind ferner die zahlreichen neuen automatischen Steuerungs- und Robotik-Lösungen interessant. Sie werden gerne als Zusatzoption mitverkauft. Mit neuen Applikationen steigt der Umsatz pro Landmaschine daher kontinuierlich. Bei höheren Düngemittelpreisen und vermehrten Auflagen im Pflanzenschutz macht sich der Kauf sogenannter „Precision farming“-Angebote für den Landwirt häufig schon nach etwa zwei bis drei Jahren bezahlt. So ermöglicht der Einsatz nicht nur eine Reduktion von Arbeitsstunden und die Minimierung notwendiger Betriebsstoffe wie Diesel. Mittels immer besserer Sensoren- und Kameratechnologien lässt sich heute vielmehr auch der Materialeinsatz an Dünge- und Pflanzenschutzmitteln optimieren. Während ohnehin in der ersten Welle Düngemittel und in der zweiten Welle verbesserte Saatgutsorten den Ertrag pro Hektar maßgeblich steigerten, dürfte die zukünftige Verbesserung der Ernteerträge wesentlich vom Einsatz digitaler Robotik-Technologien abhängen. Dabei hält selbst die sogenannte „Künstliche Intelligenz“ Einzug in die Landwirtschaft. So lernen beispielsweise Computer, Unkräuter von den eigentlichen Anbaupflanzen zu unterscheiden. Eine gezieltere Bekämpfung scheint damit nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Großflächige Herbizid-Behandlungen könnten im Gegenzug der Vergangenheit angehören. Die Förderung entsprechender Investitionen durch Zuschüsse scheint folglich auch im Sinne des Umweltschutzes sinnvoll.

Nachhaltige Anbaumethoden werden wichtiger


Vergessen sollte man in diesem Zusammenhang nicht, dass die US-Landwirte beträchtliche Hilfsleistungen unter der alten US-Regierung erhielten. Inwieweit diese Subventionen Bestand haben werden, bleibt unklar. Mit gewissen Kürzungen ist zu rechnen. Dies gilt ebenso für die europäischen Landwirte, die mittelfristig mit niedrigeren Direktzahlungen aus Brüssel konfrontiert sein werden. Umso wichtiger wird vor diesem Hintergrund eine Belohnung nachhaltiger Anbaumethoden. Erste Schritte werden in Nordamerika unternommen. So will Nutrien, einer der führenden US-Agrarguthändler, ab 2021 erstmals CO2-Zertifikate für besonders bodenschonende Pflanzungen prüfen und an Interessenten aus der Industrie weiterverkaufen. Dies könnte ein vielversprechender Weg sein, den Bauern endlich abseits der traditionellen Subventionen eine zweite Einkommensquelle zu generieren. In der Folge würde sich die durch die stark schwankenden Agrarstoffpreise bedingte Einkommenszyklik zumindest etwas entschärfen. Kurzfristig ist aber so oder so bei vielen Landwirten vorerst mit steigenden Erträgen zu rechnen. Aktien aus diesem Segment bleiben trotz der bereits erzielten Kursgewinne unverändert aussichtsreich.

Zum Fondsprofil DJE – Agrar & Ernährung

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