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Edmond de Rothschild: Pariser Klimagipfel - Macron wird sich Gehör verschaffen

Auf der UN-Klimakonferenz im November 2017 wies Macron darauf hin, dass alle Länder große Anstrengungen unternehmen müssen, um ihre Verpflichtungen einzuhalten. Der Ausstieg der USA aus dem Pariser Abkommen bringt Europa nun in eine wesentliche Rolle: Kann der Alte Kontinent gemeinsam mit China die Führung übernehmen?

Die UN-Klimakonferenz COP23, die im November in Bonn stattfand, gab bereits den Ton an: Auch wenn gerade keine klare Führung in Europa zu erkennen ist, wird sich der französische Präsident Emmanuel Macron auf dem Klimagipfel am 12. Dezember in Paris Gehör verschaffen wollen. Mitte November  betonte er in Bonn die großen finanziellen Herausforderungen, die mit der Dringlichkeit der Lage einhergehen. Ein besonders alarmierendes Signal ist dabei, dass die CO2-Emissionen nach drei Jahren Stagnation wieder ansteigen. Außerdem stellte ein Bericht des Umweltprogramms der Vereinten Nationen vom 31. Oktober 2017 das Ziel, die globale Erwärmung bis zum Jahr 2100 auf +2 °C zu begrenzen, eindeutig in Zweifel.

Auf der COP23 wies der französische Präsident mit Nachdruck darauf hin, dass alle Länder große Anstrengungen unternehmen müssen, um die 2015 auf der COP21 eingegangenen Verpflichtungen einzuhalten. Diese hatten die volle Unterstützung aus Washington und Peking. Aber der faktische Ausstieg der USA aus dem Pariser Abkommen bringt Europa nun in eine wesentliche Rolle: Kann der Alte Kontinent gemeinsam mit China die Führung übernehmen? Emmanuel Macron rief bereits dazu auf, die von Donald Trump gewollte Einstellung der finanziellen Unterstützung für den Weltklimarat IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) symbolisch zu kompensieren. Die politische Sackgasse, in der sich Deutschland aktuell noch befindet, hindert jedoch nicht nur die Bundesregierung, sondern auch ganz Europa daran, proaktiv Position zu beziehen.

Die Teilnehmer des Klimagipfels am 12. Dezember werden sich unter anderen heiklen Themen mit der Frage befassen müssen, wie die Industrieländer ihr 2015 gegebenes Versprechen halten sollen, ab 2020 jährlich 100 Milliarden Dollar für die Finanzierung der Energiewende in Entwicklungsländern aufzubringen. Die USA hätten einer der größten Beitragszahler sein sollen. Wie kann die durch ihren Rückzug entstandene Lücke mindestens bis zum Ende der Amtszeit des aktuellen US-Präsidenten gefüllt werden? Zunächst einmal gilt es, die künftigen Empfängerländer, die eine zukunftsfähige Lösung erwarten, zu beruhigen.

Zeitgleich könnte auch der den Interessen der Wirtschaft zugeneigte französische Präsident die Einführung eines CO2- Mindestpreises wieder ins Gespräch bringen. Denn viele Unternehmen, Investoren und Wirtschaftsexperten sind dafür, mit einem Mindestpreis von 30 Euro bzw. 30 US-Dollar ein CO2-Preissignal zu setzen.

Über Regierungshandlungen hinaus wird Emmanuel Macron vermutlich alle Beteiligten dazu bewegen wollen, sich ihrer Verantwortung zu stellen. Zahlreiche amerikanische Bundesstaaten, Städte und Unternehmen haben bereits ihre Bereitschaft kundgetan, den Kampf gegen den Klimawandel trotz des Rückzugs des Weißen Hauses fortzusetzen. Zusätzlich dürfte Emmanuel Macron die mehrheitlich bereits sehr klimabewussten Investoren dazu aufrufen, diese Dynamik weiter zu forcieren. Überdies werden Nichtregierungsorganisationen zweifellos ihre Rolle wahrnehmen und weiterhin auf einen wirklichen Wandel ab 2020 drängen.

Von Jean-Philippe Desmartin, Leiter Responsible Investment bei Edmond de Rothschild Asset Management

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