Fundresearch
Fundresearch

Mit den Marktnews von Fundresearch erhalten Sie die aktuellsten Informationen am Fondsmarkt

€uro Roundtable: Das sind die Trends 2019

Unter der Überschrift „Investieren in der neuen Welt - Marktperspektiven 2018/19“ diskutierten in München die Experten führender Fondsgesellschaften die Herausforderungen und Chancen für Investoren im kommenden Jahr.

Donnerstag. Ein Novemberabend. Es ist merkwürdig ruhig zu Beginn des €uro Roundtables im großen Saal in der BMW Welt in München. Draußen vor der Tür ist die Temperatur unter null Grad Celsius gesunken. Und nicht nur der DAX hat sich einen bösen Schnupfen geholt. Viele der anwesenden knapp einhundert Vermögensverwalter und Finanzberater haben am Nachmittag vor der Veranstaltung noch Kunden beruhigen müssen. Es gab in den zurückliegenden zehn Jahren um diese Zeit kurz vor Weihnachten schon mal bessere Jahresrückblicke.

Umso spannender ist der Ausblick aufs kommende Jahr. Werden die Zinsen in den USA weiter steigen? Was macht die EZB? Wie geht es weiter mit Europa? Welche Implikationen haben Italiens Konfrontationskurs und der anstehende Brexit auf die EU und den Euro? Diese Fragen treiben auch die anwesenden Finanzexperten auf dem Podium um. Unter Leitung des Moderators Dr. Martin Hüfner diskutieren Dr. Franz Wenzel (AXA IM), Howard Luder (Eurizon Capital SA), Philipp von Königsmarck (LGIM), Marc Brogli (Lombard Odier) und Uwe Röhrig (UBS AM) die aktuelle Lage und vor allem: Wie geht es weiter im nächsten Jahr?

Dr. Franz Wenzel (AXA IM), Howard Luder (Eurizon Capital SA), Philipp von Königsmarck (LGIM), Marc Brogli (Lombard Odier) und Uwe Röhrig (UBS AM)

Zum Auftakt eröffnet der Publizist und Journalist Roland Tichy mit seiner Keynote den Abend.  Er bereitet mit seinen provokanten Fragen und Thesen den Boden für die anschließende Diskussion, die im Laufe des Abends auch immer wieder auf Fragen zurückkommt, die Tichy zu Beginn aufwirft. Vor allem: Wie geht es mit Europa und Deutschland weiter? Ist etwa Deutschland auf die Herausforderungen vorbereitet, die in den nächsten Jahren auf uns zukommen? 

„Deutschlands Bundeshaushalt betrug vor der Finanzkrise 560 Milliarden Euro. Heute klingeln in der Kasse des Finanzministers 800 Milliarden Euro. Und es gibt immer noch Politiker die fordern, für neue Straßen und mehr Bildung müsste man zusätzlich Steuern erhöhen. Da frage ich mich: Was ist mit all den Milliarden in den vergangenen Jahren passiert“, fragt Tichy ins Publikum. Und er nennt sogleich Beispiele für die Ausgabenwut der Regierung: Milliarden an Subventionen für erneuerbare Energien, die Mütterrente, die Absenkung des Rentenalters, die Förderung von Frühpensionierung und etliche andere Beispiele. Er rechnet zusätzliche Belastungen für die Bürger vor: die Rentenerhöhung und die Beamtenversorgung oder auch die Gebühren für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk von neun Milliarden Euro im Jahr. „Das allein entspricht der Höhe der Staatshaushalte der drei baltischen Staaten“, rechnet Tichy vor. Und er hinterfragt die Schaffung von über tausend neuen Beamtenstellen in der Hauptstadt. Etliche davon seien Versorgungsposten für altgediente Politikerfreunde, und manche Stellenbeschreibungen machten wenig Sinn, im Gegenteil: „Allein 50 Beamte sollen sich mit Perspektiven-Planung beschäftigen. Aber wenn bei Projekten, die gefördert werden sollen, mehr Wert auf Genderthemen gelegt wird als auf Zukunftsfähigkeit, dann ist das mehr als fragwürdig“, so Tichy. 

Deutschland müsse stattdessen vor allem seine Innovationskraft stärken. Unternehmen müssten, anstatt vornehmlich Schulden abzubauen, in neue Technologien investieren. Anstatt Kapital ins Ausland zu exportieren, müsste Deutschland seine Verkehrs- und technische Infrastruktur stärken.

Roland Tichy

Roland Tichy

Als derzeit größte Gefahr sieht Tichy in diesem Zusammenhang den Konfrontationskurs der italienischen Regierung. „Fiat baut nur noch wenige Autos in Italien. Das Land hat sich selbst in großen Teilen deindustrialisiert. Gleichzeitig steigen die Staatsausgaben. Bisher ist jeder Versuch einer Reform in diesem Land gescheitert, und die italienischen Banken werden gezwungen,

das zu finanzieren. Das kann nicht auf Dauer gut gehen. Das ist ein Vier Billionen-Euro-Risiko. Und Deutschland sitzt als Gläubiger mit in diesem löchrigen Boot“, warnt Tichy. Das Problem dabei: Die italienische Regierung sei wenig kompromissbereit. Eine Lösung des Italien-Problems mit gutem Ende für Alle sieht er nicht. Auch dem Brexit kann Tichy nichts Positives abgewinnen. „Mit Großbritannien verliert Europa an Wirtschaftskraft das, was der Summe des BIP der schwächsten 18 EU-Staaten entspricht. Das macht die Dimension des Brexit deutlich“, rechnet Tichy vor.

Die Stimmung ist angespannt, doch die Aussichten sind nicht schlecht

Damit läutet Tichy die Alarmglocke zum Auftakt des Abends. Doch die folgende Diskussionsrunde unter der Leitung von Martin Hüfner zeigt, dass die Experten auf dem Podium sich nicht so schnell ins Bockshorn jagen lassen. Die Lage, das wird schnell deutlich, ist nicht so schlimm wie die Stimmung. In einer Publikums-Umfrage zu Beginn der Diskussionsrunde geht die Mehrzahl von einem Anstieg des DAX im kommenden Jahr aus, wenn auch mit erhöhter Volatilität. „Wir erwarten einen Anstieg auf zwölf- bis dreizehntausend Punkte und haben die Aktienquote angehoben“, sagt Uwe Röhrig von der UBS. Philipp von Königsmarck von Legal & General IM hält sogar einen Anstieg auf 13.000 Punkte für möglich. „Fundamental sieht es gut aus. Unsere Multi-Asset-Kollegen haben die USA gegenüber Europa und Japan derzeit untergewichtet“, so von Königsmarck. Auch Howard Luder von Eurizon ist vorsichtig optimistisch. „Europa ist derzeit niedriger bewertet als die USA. Es könnte deshalb zu einer Verschiebung der Allokation in vielen Portfolios hin nach Europa geben“, so Luder. Ein Risiko sei allerdings eine Ausweitung des Handelskriegs, den die USA unter Donald Trump derzeit vom Zaun breche, warnt Marc Brogli von Lombard Odier.

Chinas Wirtschaft wächst, Chinas Börse wackelt

Der Begriff Handelskrieg ist gleichzeitig die Überleitung zum Thema „China“. Die Diskutanten auf dem Podium sind sich hier einig: China wird auch in den kommenden Jahren seine unglaubliche Wachstumsstory fortschreiben. „China hat sich 2010 das Ziel gesetzt, innerhalb von zehn Jahren seine Wirtschaftskraft zu verdoppeln. Sie sind auf gutem Wege dahin“, so Wenzel. „Wer einmal in China war, der hat keinen Zweifel daran: Die schaffen das“, ergänzt Howard Luder. Die Chinesen hätten ihre Probleme mit den Schattenbanken in den Griff bekommen, der Mittelstand, die Dienstleistungsbranchen und insgesamt die Binnenkonjunktur würden gestärkt. Was Anleger jedoch beachten sollten: Börse und tatsächliche Konjunkturentwicklung seien in China völlig getrennt voneinander zu betrachten. Wer in China erfolgreich investieren wolle, sollte das mit Bedacht tun.  Da sind sich die Teilnehmer einig.

Trends für die Zukunft

Was für China gelte, sei auch für künftige Investitionen in Europa wichtig: „Jetzt ist aktives Management gefragt. Wer in passive Index-Instrumente mit Schwerpunkt Europa investiert, kauft auch italienische Risiken mit“, erklärt Uwe Röhrig. Als aussichtsreich sehen die Experten auch Tech-Aktien, allerdings sollte man auch hier nicht nur auf die bekannten Tech-Indizes schauen. „Dort lauern Risiken, wie man gerade in den vergangenen Wochen sehen konnte, als die großen Internet-Konzerne abgestraft wurden“, so Philipp von Königsmarck. Er nennt als Gegensatz dazu aber auch ein positives Beispiel für eine Tech-Wachstumsbranche: Der Bereich Cyber-Security mit einem Umsatzwachstum von durchschnittlich zehn Prozent pro Jahr sei sehr aussichtsreich und biete Potenzial.

Auch am Zinsmarkt lässt sich noch Geld verdienen

Zwar sei der europäische Zinsmarkt immer noch problematisch, doch es gebe auch aussichtsreiche Nischen. Das erklärt Marc Brogli von Lombard Odier. Katastrophenanleihen, kurz Catbonds genannt, mit denen sich die Versicherungsbranche gegen Extremereignisse schützen kann, böten attraktive Renditen. „Ich nehme mit Catbonds und der Aussicht einer attraktiven Rendite eher das Risiko einer möglichen Katastrophe in Kauf als beispielsweise mit italienischen Anleihen das Risiko einer sicheren Katastrophe“, bringt Brogli den Vergleich mit italienischen Staatsanleihen auf den Punkt.

Die Experten beschließen die Diskussionsrunde mit vorsichtig optimistischem Ausblick aufs kommende Jahr und schließen den Kreis damit zu Chancen und Risiken in Europa. Das überträgt sich auch auf die kleinen Runden beim anschließenden „Flying Buffet“. Am Ende des Abends ist es draußen zwar immer noch kalt. Aber drinnen ist es wärmer geworden – und die Stimmung gelöster.