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Finnische Coolness und Zuckerbergs schlechte Träume

FundResearch blickt auf die letzte Woche zurück und gibt einen Ausblick auf kommende Ereignisse. Im Fokus unter anderem: Der Rückzug von Paypal als Partner von Facebooks geplanter Kryptowährung Libra.

Rückblick auf die vergangene Woche

Was ist in der vergangenen Woche Aufregendes geschehen? Nun, Donald Trumps Wutausbruch im Beisein des finnischen Präsidenten wäre da zu nennen. Nicht wegen Donald Trump. Dass der Mann gerne über die Stränge schlägt, ist bekannt. Sondern wegen Sauli Niinistö. So stoisch und cool, wie der Finne in diesem Augenblick die Tiraden seines Sitznachbarn - immerhin des angeblich mächtigsten Mannes der Welt - hinnahm, verdient Respekt. Und sein scharfer Hinweis, die USA mögen ihre großartige Demokratie, bitte schön, doch verteidigen, ebenso. Zugegeben: Niinistö kann sich die Coolness erlauben. Ihm droht im Gegensatz zu Trump kein Amtsenthebungsverfahren. Ohne Lügen, übertriebene Drohgebärden, Verschwörungstheorien und Skandale regiert es sich offensichtlich erfolgreicher und gelassener. 

Zu dieser Einsicht muss nicht nur Trump, sondern auch Boris Johnson erst noch gelangen. Dessen scheinbar unendliche Niederlagenserie hat sich in der vergangenen Woche fortgesetzt. Das Parlament in London tagt entgegen Johnsons Plänen wieder. Und die neuen Brexit-Pläne, die der britische Premier der EU vorlegen will, werden in Brüssel nur mit einem Achselzucken zur Kenntnis genommen. Man diskutiert derzeit über einen Termin für eine Präsentation von Johnsons neuen Ideen zum Brexit. Der britische Premier muss derweil vor der Tür warten. Mehr Demütigung geht eigentlich gar nicht.

Es ist die Woche der Rückschläge für selbsternannte Welteroberer. Auch Mark Zuckerberg wird schon mal besser geschlafen haben als an diesem Wochenende. Sein aktuelles Lieblingsprojekt, die virtuelle Zahlungsplattform Libra, gerät zusehends unter Druck. Zum Ende der Woche hat Paypal die Partnerschaft aufgekündigt. Kurz zuvor hatten die beiden größten Kreditkarten-Unternehmen, VISA und Mastercard, öffentlich diskutiert, sich aus dem Projekt zurückzuziehen. Sollte es tatsächlich so kommen, wäre es der zweitgrößte anzunehmende Rückschlag für die Einführung der geplanten Facebook-Digitalwährung im kommenden Jahr. Am schlimmstmöglichen Szenario aus Sicht von Facebook bastelt derweil die mächtige US-Finanzpolitikerin Waters. Sie arbeitet an einem Gesetz, das Internetkonzernen verbieten würde, als Finanzinstitut zu agieren. Arbeitstitel: „Keep Big Tech Out of Finance Act“.

Ausblick auf die wichtigsten Termine in dieser Woche

Am heutigen Montag erwartet die Finanzgemeinde mit Spannung Jerome Powells Rede am Abend. Es ist die erste von insgesamt drei Reden, die er in dieser Woche halten wird. Der Fed-Chef wehrt sich gegen den Druck aus dem Weißen Haus, die Zinsen weiter drastisch zu senken. Einerseits. Andererseits ist die US-Notenbank bereits sichtbar auf einen erneuten Zinssenkungskurs eingeschwenkt. Eric Rosengren, Präsident und CEO der Federal Reserve Bank of Boston, preschte in einem CNBC-Interview am Freitag schon mal mit der Feststellung vor, dass er offen für weitere Zinssenkungen sei. Man wird also auf die Zwischentöne in Powells Rede achten müssen, ob er diesen Fingerzeig aus Boston aufnimmt. Und ob er in den folgenden Auftritten in dieser Woche eine rote Linie in seiner Argumentation zur wirtschaftlichen Lage der USA erkennen lässt.

Am Dienstag tritt Mark Carney, Präsident der Bank of England, ans Mikrofon. Eigentlich ist seine Amtszeit bereits seit Juni beendet. Doch die Suche nach einem Nachfolger gestaltet sich schwierig - wie derzeit offensichtlich alles auf der anderen Seite des Ärmelkanals. Den Brexit sieht Carney bekanntermaßen kritisch – vielleicht auch deshalb, weil er als Kanadier und erster ausländischer Chef der BoE besonders sensibel für die neue Fremdenfeindlichkeit der Bexiteers ist. Carney wird sich am Dienstag aber vermutlich auch verstärkt zu internationalen Themen äußern. Das könnte mit seiner persönlichen Exit-Strategie zusammenhängen: Er ist als neuer IWF-Chef im Gespräch. 

Am Mittwoch äußert sich das Federal Open Market Committee (FOMC) zu wirtschaftlichen und finanziellen Bedingungen. Die Einschätzung der Risiken in den langfristigen Zielen der Preisstabilität und des nachhaltigen Wirtschaftswachstums wird vermutlich bereits in Jerome Powells Rede anklingen, die der Fed-Chef drei Stunden vor Veröffentlichung des FOMC-Protokolls halten wird. Mit anderen Worten: Am Mittwoch gibt es einen klaren Hinweis auf die zukünftige US-Zinspolitik.

Am Donnerstag bezieht die EZB Stellung zur Entwicklung der Finanzmärkte sowie zu wirtschaftlichen und monetären Entwicklungen. Gleichzeitig werden für die Europäische Union und die USA die Zahlen zur Entwicklung der Verbraucherpreise für Nahrungsmittel und Energie veröffentlicht. Hier sind allerdings kaum Überraschungen zu erwarten.

Der Freitag schließt versöhnlich ohne spannungsgeladene Termine. Einziger Lichtpunkt aus deutscher Sicht ist die Veröffentlichung des Verbraucherpreisindex HVPI, veröffentlicht durch Destatis, dem Statistischen Büro der EU. Der HVPI ist ein Preismaßstab der vom EZB-Rat der EU definiert und verwendet wird, um die Preisstabilität der Eurozone als Ganzes quantitativ zu bewerten.

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