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Gold - eine Krisenwährung in der Krise?

Der Goldpreis ist auf den tiefsten Wert seit einem Jahr gesunken, die Nachfrage nach Gold auf den niedrigsten Stand seit 2009. Als Hauptgründe für den Absturz des Edelmetalls werden eine erhöhte Weltproduktion und der starke Dollar genannt. Antizykliker raten gerade jetzt zum Einstieg.

Das Wort "eigentlich" bekommt in diesen Tagen eine besondere Bedeutung, wenn es um das Thema Gold geht. Denn die Welt ist in Unordnung, die ersten Eskalationsstufen zu einem weltweiten Handelskrieg sind bereits genommen. Angesichts der Entwicklungen in Polen, Ungarn, der Türkei und nicht zuletzt in den USA und China drohen politische Risiken neuen Ausmaßes. Eigentlich müsste bei Anlegern die Nachfrage nach "sicheren Häfen" steigen. Und seit Jahrzehnten gilt Gold als sichere Krisenwährung. Der Goldpreis müsste seit Monaten durch die Decke gehen. Eigentlich.

Doch das Edelmetall hat an den Kapitalmärkten den schlechtesten Start seit neun Jahren hingelegt. In den ersten sechs Monaten wurden nur 1959 Tonnen Gold nachgefragt. Das sind 127 Tonnen weniger als im Vorjahr und so wenig wie seit 2009 nicht mehr. Das zeigen die Zahlen des aktuellen World Gold Council Reports.

Auf der Suche nach Gründen finden sich jetzt viele Experten, die plausible Erklärungen für den Absturz des Goldpreises liefern. Da ist zum Beispiel das üppige Angebot: Insbesondere Kanada, Russland und Indonesien haben ihre Minenproduktion im ersten Halbjahr 2018 um zweistellige Raten gesteigert. Als nicht hilfreich für einen steigenden Goldpreis werden auch die starke US-Wirtschaft, das höhere Zinsniveau in den USA und der damit verbundene starke US-Dollar eingeschätzt: Höhere Zinsen und ein steigender Dollar gelten als Gift für Gold. Und dann ist da nicht zuletzt der Glaube an den Trend: Der Goldpreis bewegt sich derzeit knapp über der 1200-Dollar-Marke. Die gilt als "psychologisch wichtig". Rutscht der Goldpreis darunter, erwarten Experten zunehmende Abverkäufe und einen weiter sinkenden Preis.

Die Unsicherheit der Anleger ist an den Kapitalmärkten mit Händen zu greifen. So hielten sich die Notenbanken im zweiten Quartal stärker mit Käufen zurück. Die Nachfrage rutschte um sieben Prozent auf 89,4 Milliarden Dollar. Einzelne Institute wie die türkische Notenbank haben sogar einen Teil ihres Edelmetallhorts abgestoßen. Allein die Nachfrage der Industrie und der Schmuckbranche blieb nahezu konstant. Auch Gold-Indexfonds, die für jeden Anteil, den Anleger erwerben, eine bestimmte Menge an physischem Gold in einem Tresor des Fondsanbieters einlagern, sind zuletzt eher als Verkäufer denn als Käufer aufgetreten. Insbesondere der größte Gold-ETF SPDR verzeichnete im ersten Halbjahr 2018 deutliche Mittelabflüsse. Kräftig zurückgegangen ist auch das allgemeine Interesse an Gold-Futures. So hat sich in der Woche zum 31. Juli die Anzahl offener Kontrakte (Open Interest) von 496.620 auf 452.655 Kontrakte (-8,9 Prozent) reduziert. Besonders kräftig bergab ging es aber mit der kumulierten Netto-Long-Position (optimistische Markterwartung) großer und kleiner Terminspekulanten, die sich innerhalb einer Woche von 65.668 auf 47.918 Kontrakte (-27,3 Prozent) ermäßigt hat. In dieser Woche sind sowohl Großspekulanten (Non-Commercials) als auch Kleinspekulanten (Non-Reportables) skeptischer geworden. So war zum Beispiel bei Großspekulanten ein Rückgang der Netto-Long-Position von 48.597 auf 35.337 Futures (-16,0 Prozent), während bei Kleinspekulanten (Non-Reportables) ein Minus von 17.071 auf 12.581 Kontrakte (-26,3 Prozent) zu Buche schlug.

Die Erkenntnis: Sowohl langfristig denkende ETF-Investoren als auch Spekulanten haben sich vom Krisenmetal abgewendet. Laut sentimentrader.com, einem Portal, das die Stimmung der Marktteilnehmer abbildet, ist nur noch ein Viertel der Anleger positiv für Gold gestimmt. Der weitere Preisverfall des Edelmetalls gilt als beschlossene Sache.

Eigentlich.

Doch es gibt auch Hinweise darauf, dass die immer lauter werdenden Gold-Pessimisten zur Unzeit pessimistisch sind. Erstens: Die Goldproduzenten sichern sich derzeit so wenig gegen fallende Kurse ab wie zuletzt bei den Preistiefs Ende 2016 und Ende 2017. Danach kam es jeweils zu mehrmonatigen Kursanstiegen von bis zu 25 Prozent. Diese Marktteilnehmer wissen eben sehr genau, wann der preisliche Spielraum für Gold nach unten begrenzt ist. Interessant dabei: Die Mehrheit der Investoren hatte jeweils vor den Preisanstiegen nach Angaben von sentimentrader.com kaum einen Pfifferling auf Gold gegeben. Auch 2015 lagen die Anleger Sentiment-Umfragen zufolge komplett falsch mit ihrem Timing für ihren Goldpessimismus.

Zweitens: Anleger, die im Juli Gold kauften, konnten sich seit 2012 in vier von sechs Fällen über Gewinne in den nächsten Monaten freuen. Es gibt also auch saisonale Gründe für höhere Notierungen in den kommenden Monaten. "Wer Gold bereits im Depot hat, sollte sich also von der aktuell negativen Stimmung nicht anstecken lassen. Und wer kaufen will, ist mit dem aktuellen Niveau ziemlich gut bedient. Das gilt insbesondere, wenn nicht auf einmal, sondern in Tranchen gekauft wird", erklärt Stephan Albrech, Vorstand der Albrech & Cie Vermögensverwaltung AG in Köln. Auch Bill McQuaker, Portfolio-Manager bei Fidelity International, erkennt in der zurzeit extrem negativen Gold-Stimmung eine Chance für Anleger: „Die ganze negative Stimmung im Markt zeigt, dass es für den Goldpreis Aufwärtspotenzial gibt. Das stimmt mich leicht optimistisch“, so McQuaker.

Optimistisch ist darüber hinaus auch die Aussicht für Goldminenaktien. Während der Goldpreis in den vergangenen drei Monaten um rund neun Prozent gesunken ist (in US$), konnten die Kurse von Goldminen-Gesellschaften sogar einen leichten Zuwachs verzeichnen. Die ermutigende jüngste Performance der Goldaktien gegenüber Gold ist signifikant. Denn sie stützt die Ansicht, dass der Goldpreis überverkauft ist. Während die kurzfristige Stärke des US-Dollars in den letzten Wochen zweifellos einen Gegenwind für Gold darstellte, scheinen die breiteren makroökonomischen und Marktbedingungen zunehmend höhere Goldpreise zu stützen.

Gold-ETFs im Vergleich

Eine Möglichkeit, einen möglichen Anstieg des Goldpreises in klingende Münze umzusetzen, ist der Kauf von Gold-ETCs, die mit physischem Gold hinterlegt sind. Das ist praktisch, und die Fondsanteile sind jederzeit konvertibel. Die besten drei Gold-ETFs der vergangenen drei Jahre sind der ZKB Gold ETF A (ISIN CH0047533523), der Source Gold P-ETC A (ISIN IE00B579F325) und der UBS ETF (CH) Gold (USD) A-dis (ISIN CH0106027193). Die drei Fonds erzielten in diesem Zeitraum jeweils eine kumulierte Rendite von über 13 Prozent.

Minenfonds: Gold mit Hebel

Es gibt auch eine Möglichkeit, von steigenden Goldpreisen zu profitieren, die im Fall des Falles ertragreicher, aber bei weiter fallenden Goldpreisen auch mit entsprechenden Risiken verbunden ist: der Kauf von Goldminen-Fonds, die das Anlegerkapital in Goldminen investieren und sich auch an Unternehmen beteiligen, die ihr Geld mit der Lagerung und Weiterverarbeitung von Gold verdienen. Bei Goldminenaktien wirkt, anders als bei physischem Gold, ein starker Hebel.

Angenommen, eine Unze wird für 800 Dollar produziert. Dann verdient die Mine bei einem Goldpreis von 1200 Dollar 400 Dollar pro Unze. Steigt der Goldpreis von 1200 auf 1400 Dollar, erhöht sich der Gewinn von 400 auf 600 Dollar je Unze. Der Goldpreis steigt also in dem Beispiel um 16,67 Prozent, der Ertrag des Unternehmens aber um 50 Prozent - mit dem entsprechenden Effekt auf die Aktie. Erfahrungsgemäß bewirkt ein Goldpreisanstieg von einem Prozent ein Plus von drei bis fünf Prozent bei den Aktien. Allerdings: Der Hebel wirkt auch nach unten. Berater, die ihren Kunden solche Fonds empfehlen, sollten auf dieses wichtige Detail hinweisen.

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