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Gummibärchen für Boris Johnson

FundResearch blickt auf die letzte Woche zurück und gibt einen Ausblick auf kommende Ereignisse. Diesmal im Fokus: Die dramatischen Ereignisse jenseits des Ärmelkanals und eine kleine Revolution.

Rückblick auf die vergangene Woche

Die Nachricht der Woche müsste eigentlich lauten: Ab sofort gibt es die Goldbären von Haribo auch nach Farben sortiert. Wählerische Gummibärchen-Genießer können ihre süßen Lieblinge jetzt aus vorsortierten kleinen 75-Gramm-Packungen fischen. Oder sogar kiloweise online kaufen. Einfarbige Gummibärchen-Packungen! Das ist eine Revolution. Eigentlich. Leider hat das britische Parlament mit seinem in letzter Zeit häufiger zu beobachtenden Hang zu Dramatik und Chaos dafür gesorgt, dass die Haribo-Meldung kaum Beachtung fand. Schade.

Der Vollständigkeit halber kommt der Chronist leider nicht umhin, auch den Ereignissen in London Beachtung zu schenken – der historischen Dimension wegen. Schließlich hat Premierminister Boris Johnson zunächst seine Mehrheit im Unterhaus verloren, musste einen Gesetzesbeschluss akzeptieren, der einen No-Deal-Brexit ausschließt und ist anschließend auch noch mit seinem Antrag auf Neuwahlen gescheitert. 

Das Kuriose daran: Obwohl Johnson Niederlage auf Niederlage einstecken musste, ist jetzt nicht er, sondern die Opposition in der Zwickmühle. Labourchef Jeremy Corbyn und weitere führende Politiker wollen einer Neuwahl erst dann zustimmen, wenn ein EU-Austritt ohne Abkommen am 31. Oktober sicher abgewendet ist. Aber was gewinnen sie damit? Außer Zeit? 

Es ist eine Zeit, in der weiterhin Unsicherheit darüber herrscht, wie Großbritannien die EU verlassen wird. Für die Wirtschaft ist das kein Gewinn. Die Firmen jenseits und diesseits des Ärmelkanals zahlen seit Monaten viel Geld für die Lagerung von Waren und Ersatzteilen in prall gefüllten, teuren Lagerhäusern. 

Für die EU ist eine weitere Verschiebung des Brexit auch kein Herzenswunsch. Denn Nachverhandlungen schließt Brüssel kategorisch aus. 

Für die britische Opposition selbst bedeutet eine Verschiebung von Neuwahlen nur, dass Boris Johnson mehr Zeit hat, seine rhetorische Überlegenheit über seine Gegner länger auszuspielen. Johnson ist zwar ein unmöglicher Premier, aber ein begnadeter Wahlkämpfer. Es ist zweifellos ein Dilemma. Eine Hoffnung bleibt: Vielleicht könnte man sein Ego mit blonden Gummibärchen beruhigen. Die Möglichkeit der Auswahl gäbe es ja jetzt.

Ausblick auf die wichtigsten Termine in dieser Woche

Am Dienstag veröffentlicht das National Bureau of Statistics of China den Verbraucherpreisindex (CPI) für das Reich der Mitte. Der Index misst die Preisbewegungen der Verkaufspreise für einen repräsentativen Warenkorb von Gütern und Dienstleistungen. Spannend ist die Entwicklung vor dem Hintergrund der Schwächung des Außenwertes des Renminbi durch die chinesische Notenbank. Importe wurden zuletzt teurer. Ein wesentlicher Anstieg des CPI würde bedeuten, dass die Inflation zu einem destabilisierenden Faktor für die Wirtschaft wird. Eigentlich müsste die Notenbank in diesem Fall die Geldpolitik straffen. Angesichts der zuletzt beobachteten Schritte der Zentralbank ist jedoch nicht damit zu rechnen.

Am Mittwoch werden die Kommentarspalten voll von Spekulationen sein: Wird die EZB am Donnerstag die Zinsen senken? Um wieviel Basispunkte? Und was hat das für Auswirkungen auf die Wirtschaft? Welche Maßnahmen hat die EZB noch im Köcher, um die drohende Rezession in der Europäischen Union auszubremsen?

Am Donnerstag wird die Europäische Zentralbank (EZB) dann den Leitzins senken. Jedenfalls geht bislang die Mehrheit der Experten und Analysten davon aus. Es wird dann auch geklärt sein, ob es zehn oder 20 Basispunkte abwärts geht. Zudem steht eine weitere noch von Mario Draghi jüngst angekündigte Maßnahme auf der Tagesordnung: die Wiederaufnahme des Wertpapierkaufprogramms (Quantitative Easing – QE). Ob auch dies am Donnerstag verkündet werden wird und - wenn ja - mit welchen Details, wird der Tag zeigen. 

Am Freitag wird die Diskussion zur EZB-Entscheidung vom Donnerstag folgen. Werden die Banken Negativzinsen auf Sparkonten erheben? Wird Olaf Scholz seine Warnung wahr machen und Negativzinsen per Gesetz verbieten? Wird das Bargeld abgeschafft? Kann man künftig Häuser und Autos mit Krediten finanzieren, für die man keine Zinsen mehr zahlt, sondern Zinsen bekommt? Spannend wird am Freitagabend und am Wochenende vor allem sein, ob sich eine der zahlreichen Talkshows mit dem Thema befasst. Zu bereden gäbe es genug.

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