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Hedgefonds in der Nachhaltigkeitsfalle

Hedgefonds haben 2018 so schlecht abgeschnitten wie seit 2011 nicht mehr. Die Branche ist unter Druck. Dass jetzt auch noch institutionelle Kunden auf mehr Nachhaltigkeit drängen, macht die Lage nicht besser.

Die Manager von Hedgefonds waren in den zurückliegenden Jahren zweifellos die Sonnyboys der Branche. Davon zeugt schon die Zunahme an zugelassenen Fonds in Europa. Ende 2018 waren in Europa 2.663 Fonds dieser Gattung zugelassen. Das sind rund 76 Prozent mehr als noch im Jahr 2008. Keine andere Anlageklasse kann mit diesem Wachstum konkurrieren. Nicht nur die Anzahl der Fonds hat zugenommen, die Manager sammelten auch fleißig Geld ein. Mit den sinkenden Renditen an den Zinsmärkten nahm der Renditehunger der Anleger zu. Hedgefonds schienen die passende Antwort auf die Niedrigzinspolitik der Notenbanken zu sein. Insbesondere Multistrategie- und Long/Short-Rentenfonds erfreuten sich großer Beliebtheit. Der Erfolg an der Börse gab den Anlegern Recht. Innerhalb von zehn Jahren sind die Vermögenswerte Alternativer Fonds mit einer durchschnittlich 26 Prozent per annum gewachsen. Unterm Strich ist das eine Verzehnfachung.

Die Ernüchterung kam in der zweiten Jahreshälfte 2018. Viele Fonds brachten nicht die gewünschte Performance. 2018 schnitt die Industrie fast genauso schlecht ab wie sieben Jahre zuvor. Im Jahr 2011 fuhren Hedgefonds ebenfalls ein Minus von durchschnittlich rund fünf Prozent ein. Ein Grund für das schlechte Abschneiden 2018 dürften auch die zum Teil sehr hohen Gebühren der in den vergangenen Jahren neu aufgelegten Fonds gewesen sein. Laut Morningstar steckt geschätzt rund ein Fünftel der Vermögenswerte in Tranchen, die eine laufende Gebühr von über 1,6 Prozent per annum erheben. Jeder zweite Fonds berechnet zusätzlich eine Performance-Fee –  selbst dann, wenn mehr oder weniger nur der Geldmarkt abgebildet wird.  Die Quittung dafür erteilten die Anleger zuletzt per Verkaufsorder: Im letzten Quartal flossen netto 23 Milliarden Euro aus Hedgefonds ab.

ESG-Kriterien sind für Hedgefonds ein Problem

Damit nicht genug, hat die Branche nun auch noch mit einem Problem zu kämpfen, das für sie nicht leicht zu lösen ist: Laut einem Bericht der "Neue Zürcher Zeitung" (NZZ) fordern immer mehr institutionelle Investoren von den Hedgefonds-Managern die Berücksichtigung von ESG-Kriterien (Environmental, Social und Governance, also Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung). Besonderen Druck machen skandinavische Pensionsfonds, die dem Vorbild des Norwegischen Staatsfonds folgen. Der eine Billion Dollar schwere Fonds hat im vergangenen September verkündet, nur noch in Unternehmen zu investieren, die streng nachhaltig wirtschaften. Ein Schwerpunkt der Norweger liegt dabei auf der Bekämpfung der Verschmutzung der Weltmeere durch Plastik.

Für Hedgefonds ist dieser Trend eine große Herausforderung. Denn einerseits kann die Branche zwar nicht die Augen vor dem Thema Nachhaltigkeit verschließen. Nicht zuletzt auch deshalb, weil abzusehen ist, dass die EU von der Regulierungsseite her dafür sorgen will, dass ESG-Kriterien stärker berücksichtigt werden sollen. Andererseits kann das die Anlagepolitik etlicher Fonds jedoch empfindlich stören.

Deutlich wird das am Beispiel von Long/Short-Produkten. Politisch gewollt wäre vermutlich, dass Unternehmen mit weniger ökologischer oder sozialer Geschäftspolitik geshortet und gleichzeitig in diesen Bereichen engagiertere Unternehmen durch Käufe gestützt würden. Würde ein Long/Short-Fonds, aus welchen Gründen auch immer, zufällig umgekehrt agieren, geriete er im Hinblick auf seine ESG-Konformität in Erklärungsnot, selbst wenn es berechtigte Gründe dafür gäbe, dass ein bestimmtes Unternehmen, das in Sache ESG vorbildlich agiert, auf der Short-Seite des Portfolios besser aufgehoben wäre.

Fazit: Da die Anlagekonzepte vieler Hedgefonds darauf abzielen, Bewertungsineffizienzen im Markt auszunutzen, ist der ESG-Gedanke teilweise von ihnen nur schwer umzusetzen.

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