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Immobilien: Investoren werden vorsichtiger

Deutschland ist für Immobilieninvestoren nicht mehr die Nummer eins in Europa. Neuer Spitzenreiter beim Investitionsvolumen ist Großbritannien. Für London ist der nahende Brexit jedoch ein Drama.

Für Immobilieninvestoren ist Deutschland nicht mehr die Nummer eins in Europa. Die Investitionen in deutsche Immobilien sanken im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um drei Milliarden auf nun 65 Milliarden Euro. Dies geht aus der PwC-Studie „Emerging Trends in Real Estate: Creating in Impact. Europe 2019“ hervor, die im Zusammenarbeit mit dem Urban Land Institute erstellt wurde. Gemessen am Investitionsvolumen ist nun ausgerechnet Großbritannien, dessen Immobilienmarkt gemeinhin als teuer gilt, neuer Spitzenreiter in Europa. Im Vereinigten Königreich wurden im vergleichbaren Zeitraum insgesamt 68 Milliarden Euro in Immobilien investiert. „Deutschland hat ein Problem: Es gibt zu wenige Assets und die sind zu teuer. Aus diesem Grund konnte Großbritannien im vergangenen Jahr trotz bevorstehendem Brexit im Gesamtvolumen der Investitionen nochmals an Deutschland vorbeiziehen“, erklärt Susanne Eickermann-Riepe, Real Estate Leader PwC Deutschland.

Die PwC-Studie zeigt allerdings auch: Mit Mietsteigerungen rechnen die Investoren europaweit wie schon im Vorjahr am ehesten in Berlin. Sinkende Mieten hingegen werden einzig in Istanbul erwartet – der Stadt werden vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Unsicherheit in der Türkei unter den europäischen Städten auch die schlechtesten Zukunftsaussichten als Investitionsstandort eingeräumt.

Brexit-Effekt: London verliert, Frankfurt profitiert

Der nahende Brexit macht sich auch beim Blick auf die europäischen Städte bemerkbar. So wurden in Frankfurt im Vergleich zum Vorjahr über 14 Prozent mehr in Immobilien investiert – damit liegt die Stadt mit Investitionen in Höhe von acht Milliarden Euro gemeinsam mit Berlin und hinter Paris auf Platz drei im europaweiten Vergleich. Auf London entfallen zwar noch immer die meisten Investitionen (20 Milliarden Euro), jedoch musste die Stadt einen Rückgang des Investitionsvolumens um mehr als ein Drittel hinnehmen.

Die künftigen Folgen des Brexit für den britischen Immobilienmarkt bewerten die in der Studie befragten Experten dramatisch. So gehen 78 Prozent der Befragten im Jahr 2019 von sinkenden Investitionen in britische Immobilien aus. 77 Prozent rechnen mit einem Wertverfall von Immobilien auf der Insel. 71 Prozent glauben, dass es Großbritannien künftig schwer haben dürfte, Talente für den Arbeitsmarkt anzulocken. „Großbritannien dürfte durch den Brexit einen wichtigen Wettbewerbsvorteil verlieren. Das bestätigen die über 800 Immobilienexperten, die wir befragt haben. Es verwundert letztlich nicht, dass sich dies auch in Investitions- und Entwicklungsaussichten für Großbritannien niederschlägt“, sagt Susanne Eickermann-Riepe.

Vier deutsche Städte unter den Top-Ten der zukunftsträchtigsten Standorte

Im Ranking der europäischen Städte mit den besten Investment-Gelegenheiten für das kommende Jahr nimmt Lissabon den Spitzenplatz ein. Die Stadt überzeugt vor allem durch überdurchschnittliche Renditen, hohes Wachstum sowie einen wachsenden Bedarf an Entwicklungsprojekten im Bereich der Büroimmobilien. Als deutsche Städte in den Top-Ten vertreten sind Berlin (Platz 2), Frankfurt (Platz 5), Hamburg (Platz 7) und München (Platz 10). Als wichtigste Kriterien für die Attraktivität eines Investitionsstandorts nannten die Befragten eine gute Infrastruktur, die Verfügbarkeit von Assets und die Renditeaussichten.

Mangel an Wohnraum treibt Wohnimmobilienmarkt

Besonders Wohnimmobilien werden von den Investoren gute Entwicklungs- und Investitionsaussichten eingeräumt. Sieben der zehn vielversprechendsten Sektoren kommen aus dem Bereich „Residential“, wie etwa Studentenwohnungen, Projekte für altersgerechtes und assistiertes Wohnen oder sozialer Wohnungsbau. „Die Tatsache, dass die Investoren in Wohnimmobilien die größten Potenziale sehen, belegt, dass hier auch ein gesellschaftlicher Bedarf liegt. Wohnraum in Ballungsgebieten wird knapper. Und obwohl solche Immobilien aus operativer Sicht für Investoren mit am anspruchsvollsten zu managen sind, versuchen viele hier einzusteigen“, sagt Susanne Eickermann-Riepe. Es werde zudem eng in den Städten. „Wir sehen zunehmend kleinere Wohneinheiten, die auf urbane Singles abzielen, und immer weniger Wohnraum etwa für Familien. Dies dürfte das Stadtbild gerade in Großstädten für die kommenden Jahrzehnte entscheidend prägen, so Eickermann-Riepe.

Investoren auf der Suche nach stabilen Erträgen

Insgesamt ist das Investitionsklima in der Immobilienbranche von der Suche nach langfristig stabilen Erträgen geprägt. Das führe dazu, dass neben den finanziellen Aspekten auch zusätzliche Nachhaltigkeitskriterien eine große Rolle spielten und dass die Investoren immer stärker auf soziale und umweltbezogene Faktoren achten, so die Autoren der Studie. Ganze 60 Prozent der Befragten gingen davon aus, dass künftig auch nicht-finanziell messbare Kriterien eine wichtige Rolle für Investitionsentscheidungen spielen werden.

Generell möchten sich die Investoren der Studie zufolge sich vor allem gegen potenzielle Zinserhöhungen und ein zunehmend unsicheres geopolitisches Umfeld absichern. 28 Prozent der Befragten sind zudem der Meinung, dass sie künftig mehr Eigenkapital für Refinanzierungen und Neuinvestitionen vorhalten müssen.

Über die Studie

Die Studie „Emerging Trends in Real Estate: Europe 2019” stellt die 16. Ausgabe der jährlichen Befragung von PwC und dem Urban Land Institute zur Trends und Entwicklungen der Immobilienbranche dar. Für den diesjährigen Report wurden über 800 Vertreter von Immobilienfirmen, Investmentmanagern, Immobilienentwicklern, Institutionellen Investoren, Kreditgebern, börsengehandelten Immobilienfonds und Bauträgern in Europa befragt.

Die komplettePwC-Immobilienstudie als PDF-Dokument.

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