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IP Concept: Höhere Inflationsraten, CONREN Basisszenario und größte Gefahren für Märkte

In unserem Marktkommentar zum zweiten Quartal, „Sommer 2021“, beleuchten wir einer der derzeit zentralsten Sorgen vieler Anleger: Die Rückkehr höherer Inflationsraten und weshalb Basiseffekte, die Erholung der Wirtschaft aus der weltweiten COVID-Krise und damit Güterpreissteigerungen aufgrund von Engpässen bei vielen Lieferketten zu den wesentlichen Treibern der (zwischenzeitlich) höheren Inflationsraten gehören. Eine in diesem Zusammenhang ebenfalls wichtige Frage für Anleger ist der Einfluss von Inflation auf die Entwicklung der unterschiedlichen Assetklassen.

Auch während des 2. Quartals prägten aus makroökonomischer Perspektive vor allem Inflationsbefürchtungen das Marktgeschehen. Per Mitte Juni, nachdem die US-Zentralbank auf ihrer zweitägigen Sitzung ihre Rhetorik hinsichtlich Inflationseinschätzung und künftiger Zinspolitik gegenüber früheren Aussagen aktualisiert hatte, trübte sich die Lage an den Märkten etwas ein. Dies war aber nur von kurzer Dauer, so konnten die meisten Indizes auch im letzten Monat des ersten Halbjahres eine positive Performance verzeichnen.

Während der Markt bereits in 2022 mit einer Zinserhöhung rechnet, sieht der Median der FOMC Mitglieder noch keinen Zinsschritt in 2022. In 2023 werden mittlerweile jedoch 2 Zinsschritte antizipiert.
Quelle: Bloomberg

Was die Portfolios betrifft, haben wir im Juni lediglich geringfügige Änderungen vorgenommen: auf der Aktienseite haben wir zyklische Werte leicht abgebaut, dies Zugunsten einer höheren Allokation in Wachstumsunternehmen. Die vorhandenen Liquiditätsquoten (zwischen 5% und 10%) möchten wir während möglichen Rücksetzern in den saisonal anfälligen Sommermonaten (niedrige Volumina mit zum Teil fundamental nicht immer nachvollziehbaren Schwankungen) für ausgewählte Zukäufe oder Aufstockungen nutzen. Bei Anleihen behalten wir eine niedrige Duration bei, wobei auf diesen Niveaus insbesondere US-Staatsanleihen durchaus interessant werden (selbst nach Kosten von Fremdwährungsabsicherungen EURUSD). Die USD Aktien-Fremdwährungsbestände haben wir derzeit nicht gegen EUR abgesichert (bei Anleihen jedoch mehrheitlich schon).
Trotz punktuellen Blasenbildungen bleiben wir - nicht zuletzt aufgrund der weiterhin zu erwartenden positiven Q2-Berichtssaison unserer Portfoliounternehmen, optimistisch was die weitere Entwicklung angeht. Daher werden wir an der insgesamt hohen Aktiengewichtung (auch im Bereich der ausgewogenen Multi Assets Portfolios) festhalten.

CONREN Basisszenario

Sommermonate
Gestiegener Optimismus (Unternehmen und Konsumenten), niedrigere Kassenquoten (Investoren), höhere Bewertungen (spekulative Exzesse) und Impfstoffe machen mittlerweile vielerorts einen echten Unterschied. Die Mobilität steigt, Volkswirtschaften und Unternehmensgewinne wachsen stark. Erste Anzeichen, dass Aktienrückkäufe wieder anziehen. Langfristige Anleiherenditen sinken und der USD wertet sich weiter auf (Angst vor weiterer, restriktiver US-Fed-Politik). Zyklische Investmentthemen und Sektoren („reflation trades“) kommen etwas unter Druck. Defensive Werte (Pharma, Consumer Staples) und etablierte Werte, der Cashflow starker IT-Unternehmen schneiden relativ besser ab. Volatile Seitwärtsbewegung mit Zwischenkorrekturen sind wahrscheinlich. Zwischenhochs an den Börsen aus der ersten Jahreshälfte werden nicht durchbrochen.

Zweite Jahreshälfte 2021 – hinein ins Jahr 2022
Zinsen bleiben niedrig, Kreditexpansion wird fortgesetzt. Fiskalpakete wie Infrastrukturausgaben, Green Deal (in den USA) oder Recovery Fund (in der EU) und sinkende Arbeitslosigkeit (USA und Eurozone). Anhaltende Dynamik in Asien bzw. auf den Emerging Markets treibt das globale Wachstum an, unterstützt den wiederaufgenommenen Welthandel inkl. des globalen Tourismus, wobei sich die Inflationsbefürchtungen aus der ersten Jahreshälfte als übertrieben herausstellen. Die USD-Abwertung nimmt wieder an Fahrt auf. Rohstoffpreise inkl. Edelmetalle steigen wieder. Abgestrafte Wachstumswerte, Momentum-Strategien und defensive Qualitäts- und Dividendenaktien rücken weiter in den Fokus der Anleger. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Europa als Aktienmarkt weiterhin nach oben überrascht. Anleiherenditen können wieder ansteigen, was zu erneuten negativen Performancephasen bei Anleihen führt.

Welche Faktoren sind aktuell die größten absehbaren Gefahren für die Märkte?

  1. Steigende Steuern und zunehmender regulatorischer Druck und damit Margendruck auf Unternehmen. Der von US-Präsident Biden vorgeschlagene Mindeststeuersatz für Unternehmen (15 %) ist jedoch noch kein wirkliches Problem. Eine konkrete Umsetzung auf globaler Basis ist äußerst schwierig und dauert in der Regel sehr lange. Trotzdem werden solche Themen in Zukunft eher zu- als abnehmen.
  2. Enttäuschungen beim Wirtschaftswachstum (in der zweiten Jahreshälfte).
  3. Nachhaltig steigende Inflation über die zweite Jahreshälfte hinaus – darauf werden Notenbanken ab einem gewissen Punkt reagieren müssen.
  4. Meldung einer Reduktion der Fiskalimpulse/Gespräche über einen ausgeglichenen Staatshaushalt, weil politische Kräfte, die immer und ewig gegen Staatsausgaben sind, sich durchsetzen. Das ist aber derzeit ein weniger wahrscheinliches Szenario, weil politisch nicht durchsetzbar (weder in den USA noch in der Eurozone).
  5. Akzentuierung der Situation „China und Taiwan“ mit potenziell globalen Spillover-Effekten (politisch wie ökonomisch).
  6. Neue Handelskriege (USA-China) oder Drohungen mit einem Handelskrieg könnten zu einem Anstieg der globalen Handelsunsicherheit führen. Trotz einiger Differenzen und eines Mangels an Details zu entscheidenden politischen Initiativen scheint das G7-Treffen in Cornwall bestätigt zu haben, dass die transatlantische Zusammenarbeit wieder auf der Tagesordnung steht. Das Risiko eines Handelskriegs zwischen den USA und der EU ist praktisch verschwunden. Aber auch die Lage zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich scheint sich deutlich entspannt zu haben. Stattdessen könnte eine bessere Koordination zwischen der EU/dem Vereinigten Königreich und den USA dazu beitragen, China mit der Zeit zu zwingen, einige seiner handelsverzerrenden Praktiken zu mäßigen.
  7. Unvorhergesehene Entwicklungen rund um COVID-(Delta)Mutationen.

 

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