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Ist ein No-Deal-Brexit besser für die EU-Wirtschaft?

Bisher galt ein ungeregelter Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union als schlimmstmögliche Variante. Im Rahmen des aktuellen Streits im britischen Parlament melden sich nun Ökonomen zu Wort und sagen: Bringen wir es doch einfach hinter uns.

Mit der Wahl von Boris Johnson zum Parteivorsitzenden der Tories und damit zum Premierminister Großbritanniens, wurde wohl auch dem britischen Parlament klar: Der No-Deal-Brexit kommt. Johnson hatte von Beginn an klar gemacht, dass Großbritannien die Europäische Union (EU) zum vereinbarten Termin am 31. Oktober dieses Jahres verlassen werde – mit oder ohne Deal. Da sich die EU querstellt und keinen neuen Deal mit Johnson aushandeln möchte, läuft es allem Anschein nach auf einen ungeregelten Austritt Großbritanniens hinaus.

Das Parlament will das nun verhindern und hat damit einen großen Streit in Westminster angezettelt. Am heutigen Freitag stimmen die Abgeordneten ab, ob der No-Deal-Brexit gesetzlich verboten werden soll. Da der Entwurf bereits alle drei Lesungen im Unterhaus durchlaufen hat, scheint eine offizielle Verabschiedung sehr wahrscheinlich. Stimmt das Oberhaus dem Entwurf zu, entscheidet das Unterhaus am Montag final über das Gesetz, bevor es Königin Elizabeth II. unterschreibt.

Brexit-Unsicherheit soll ein Ende haben

Doch was kommt dann? Wenn es keinen No-Deal-Brexit geben soll, müsste Johnson die EU um einen Aufschub bitten. Das will er aber nicht: "Ich würde lieber tot im Graben liegen", sagte der britische Premierminister am Donnerstag auf die Frage einer Journalistin. Auch auf Seiten der EU scheint es keine große Begeisterung für einen weiteren Aufschub zu geben. Der französische Staatspräsident Emmanuel Macron hatte sich schon im April dagegen ausgesprochen. Frankreich sei für einen ungeregelten Austritt gewappnet.

Nun freunden sich auch Ökonomen mit einem No-Deal-Brexit an. Schließlich preisen Anleger einen solchen Fall schon seit Monaten am Aktienmarkt ein. "Der Brexit spukt bereits so lange in den Köpfen, schafft Unsicherheit und verschiebt alle wirtschaftlichen Anpassungen, die je nach Ausstiegsform bereit hätten stattfinden können", sagt Philippe Waechter, Chefvolkswirt des französischen Investmenthauses Ostrum Asset Management. Darum könnte die EU seiner Meinung nach Interesse daran haben, den Brexit einfach hinter sich zu bringen.

Marcel Fratzscher stimmt ihm zu. Der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung sagte gegenüber der dpa: "Wenn einmal Klarheit da ist und die Unternehmen wissen, worauf sie sich einstellen müssen, kann man auch damit umgehen." Denn die Unsicherheit der Unternehmen stelle derzeit das höchste wirtschaftliche Risiko dar. Die deutschen Exporte nach Großbritannien und Irland seien darum bereits zurückgegangen.

Finanzielle Sorgen bleiben bei Finanzberatern im Vordergrund

Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung hingegen warnt vor den finanziellen Folgen. Ein ungeregelter Austritt Großbritanniens aus der EU verursache einen Einkommensverlust von rund 100 Milliarden Euro pro Jahr. 57 Milliarden davon in Großbritannien, Deutschland müsse mit 9,5 Milliarden rechnen. Für Finanzberater ist damit wohl eher die Aussage der Bertelsmann-Stiftung relevant. Denn ob die Unternehmen nun entspannter sind oder nicht, ist für die Unternehmensbilanz und die Aktienentwicklung vorerst nicht entscheidend. Ein No-Deal-Brexit könnte das Vertrauen in den britischen Markt noch tiefer sinken lassen.

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