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La Financière de l’Echiquier: Zinsen im Höhenflug - ein Grund zur Sorge?

Die Zinsen sind im Höhenflug. Gibt dies Anlass zur Sorge? Olivier de Berranger, Chief Investment Officer, und Alexis Bienvenu, Portfolio Manager

La Financière de L‘Echiquier meinen: "Auch wenn die Zinsen sprießen, werden sie den Frühling nicht verhageln."

Die Rendite von US-Zinstiteln steigt immer weiter: Die 10-jährigen Anleihen beispielsweise erreichten in der vergangenen Woche erstmals seit 2011 die Marke von 3,10%.

Worauf ist das zurückzuführen?

Es gibt sowohl langfristige als auch kurzfristige Gründe.

Die langfristigen Faktoren sind bekannt: Die robuste Verfassung der US-Wirtschaft hievt die Inflation wieder auf ein als ausreichend angesehenes Niveau von rund 2%, das nachhaltig ist, denn die Arbeitslosigkeit befindet sich im Tiefststand. Entsprechend strafft die Fed ihre kurzfristigen Zinssätze und baut ihre Bilanz ab. Die Zinssätze steigen: „Alles läuft gut“.

Der kurzfristige Grund liegt im Anstieg des Ölpreises infolge des Ausstiegs der USA aus dem Wiener Atomabkommen mit dem Iran. Die Förderung iranischen Öls wird künftig schwieriger, weshalb der Barrel-Preis anzieht. Das Brent verteuerte sich in dieser Woche auf 79 Dollar, den höchsten Stand seit vier Jahren. Hier heißt es: „Es läuft schlecht“.

Allerdings rührt der Trend beim Öl ganz woanders her. Mit 31 Dollar erreichte der Barrel-Preis im Januar 2016 eine Talsohle. Seitdem ging es stets bergauf. Nicht zufällig schlugen die US-Zinssätze den gleichen Weg ein. Fast zum gleichen Zeitpunkt, im Juli 2016, erreichten sie ihren tiefsten Stand (10-jährige Zinssätze bei 1,36%). Zinssätze und Ölpreis setzten zum gleichen Höhenflug an. Beide gehen Hand in Hand, denn der Anstieg des Ölpreises ist an sich ein Faktor der Inflation und somit des Anstiegs der langfristigen Zinssätze.

Sollte der Trend beim Öl, insbesondere im Sog des robusten weltweiten Wachstums, andauern, könnten wir 2018 ein Spiegelbild von 2007 sehen: Der Ölpreis steigt, und somit die Inflation, und somit die Zinssätze...

Gibt dies Anlass zur Sorge?

Eine willkommene Nachricht: Dieses Inflationsniveau ist Ausdruck der robusten Verfassung der US-Wirtschaft und normalisiert ein Umfeld mit außergewöhnlich niedrigen Zinssätzen. Gleichzeitig enthält dieser Trend die Saat für eine künftige Verlangsamung: Er macht Aktien im Vergleich zu US-Zinstiteln unattraktiver und erhöht die Finanzierungskosten. Er bremst somit die Investitionen und schwächt die am stärksten verschuldeten Wirtschaftsakteure (Staaten, Unternehmen, Haushalte usw.). Jüngste Folge dieses Trends ist die Aufwertung des Dollar, der sich seit April deutlich erholte. Hierdurch verteuert sich der Ölpreis für die Importeure noch weiter. Überdies werden vor allem die Schwellenländer geschwächt, auf die ein Großteil des weltweiten Wachstums entfällt, denn ihre Verschuldung lockt weniger Investoren an und für sie wird die Finanzierung in Dollar teurer. Argentinien, das aufgrund seiner verschlechterten Finanzlage den IWF um Hilfe bitten musste, bekam dies zu spüren.

Jede Entwicklung erzeugt die Saat ihres künftigen Endes: Dies gilt für den Markt ebenso wie für alles andere. Auch das Niveau der US-Zinssätze folgt dieser Logik. Es bescheinigt, dass der Zyklus in den USA reift. Glücklicherweise ist dies in Europa und in den Schwellenländern noch nicht der Fall. Beim weltweiten Zyklus scheint es noch eine große Wachstumsreserve zu geben. Auch wenn die Zinsen also sprießen, werden sie den Frühling nicht verhageln.

Von Olivier de Berranger, Chief Investment Officer, und Alexis Bienvenu, Portfolio Manager La Financière de L‘Echiquier

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