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Lebensversicherungen: Rendite erneut gesunken - auch neue Produkte ziehen nicht

Die Verzinsung ist abermals gesunken. Anbieter flüchten aus Policen mit großzügigen Garantien in neue Produkte. Was Berater jetzt wissen sollten.

Lebensversicherte erhalten für 2021 im Schnitt so wenig Rendite wie nie zuvor. Das zeigen Berechnungen des Policenaufkäufers Policen Direkt. Demnach sank die sogenannte laufende Verzinsung auf 2,06 Prozent. Schon der Vorjahreswert von 2,21 Prozent hatte ein Allzeittief markiert. Die Daten stammen von Unternehmen, die zusammen rund 90 Prozent Marktanteil haben.

Damit geht der langjährige Renditeabschwung weiter. Seit 2008 war fast in jedem Jahr ein mehr oder weniger deutlicher Rückgang zu verzeichnen. Hintergrund: Die Investments der Assekuranzen stecken zum größten Teil in festverzinslichen Anlagen. Hier sind die Marktzinsen im Zuge der Corona-Krise auf immer neue Tiefs gefallen. So betrug die Rendite einer 30 Jahre laufenden Bundesanleihe Ende 2020 minus 0,15 Prozent, während es vor Jahresfrist noch plus 0,33 Prozent waren. Deshalb sagt Lars Heermann, Abteilungsleiter bei der Ratingagentur Assekurata: "Die sinkende laufende Verzinsung ist ein Abbild der extremen Zinssituation am Markt."

Zu den einzelnen Anbietern: Am stärksten nach unten geht es 2021 bei der R + V a. G. (minus 1,05 Prozentpunkte), der kleinen Schwester des genossenschaftlichen Versicherers R + V AG. Letzterer liegt bei der Absturzbilanz an zweiter Stelle (minus 0,55 Prozent). Absolut gesehen ist nun am wenigsten zu holen bei Debeka, Proxalto (ehemals Generali) und R + V a. G. (jeweils 1,25 Prozent). Am meisten gibt es bei Ideal (drei Prozent). Unter den 40 größten Anbietern liegen AXA und ihre Tochterunternehmen DBV und Deutsche Ärzteversicherung mit jeweils 2,60 Prozent ganz vorn (siehe Tabelle unten). Allerdings berechnen sie die laufende Verzinsung auf einem Weg, der zwar legal, aber besonders vorteilhaft für sie selbst ist. Marktführer Allianz, der zurückhaltender kalkuliert, rangiert mit 2,30 Prozent auf Platz 5.

Wichtig zu wissen: Die laufende Verzinsung ist garantiert, sobald sie für ein bestimmtes Jahr festgelegt ist. Es kommen unverbindliche Zusagen hinzu, alles zusammen heißt Überschussbeteiligung. Die Prozentsätze beziehen sich auf Verträge, deren gesetzlicher Garantiezins unterhalb der laufenden Verzinsung liegt. Alte Verträge mit hohen Garantien bekommen nach wie vor bis zu vier Prozent zugewiesen. Angesichts dieser Tatsache sagt Michael Klüttgens, der die Versicherungsberatung für Nord-, Mittel- und Osteuropa beim Beratungshaus Willis Towers Watson leitet: "Bislang gibt es immer noch üppige Renditen für Lebensversicherungskunden, die in früheren Jahren abgeschlossen haben, wenn man es mit anderen Finanzprodukten vergleicht."

Alle Zahlen beziehen sich auf den sogenannten Sparanteil, also Einzahlungen minus Kosten. Auf die gesamten Einzahlungen gerechnet liegt die Verzinsung also niedriger. Gut 50 Millionen Kapitallebens- und private Rentenversicherungen gibt es, und für fast alle ist die laufende Verzinsung relevant. Weil es immer schwieriger ist, die Garantien zu erwirtschaften, sind viele Anbieter aus dem Geschäft mit klassischen Policen mit Garantiezins ausgestiegen - zu Jahresbeginn die Allianz, zudem etwa Ergo, HDI und Zurich Deutscher Herold. Andere haben ihre Vertragsbestände an andere Firmen übertragen. Die Käufer führen die Kontrakte weiter.

Zuletzt machte Generali mit einem solchen Deal Schlagzeilen. Sämtliche Verträge gingen an den Abwickler Proxalto. Im Gegenzug übernahm Generali alle Policen der AachenMünchener, die weniger Garantiepolicen im Portfolio hat. Andere Akteure verkaufen solche klassischen Produkte nur noch auf ausdrücklichen Wunsch der Kunden - etwa die Bayern-Versicherung, eine Tochter der Versicherungskammer Bayern.

Zugleich bleiben die Kunden aus. 2020 sank der Absatz von Lebensversicherungen um zwölf Prozent. Das hatte gewiss mit Corona zu tun, weil Beratungstermine ausfielen, aber auch mit der Ernüchterung des Publikums. Die Misere bei klassischen Policen ist also augenfällig. Doch gibt es Alternativen, die weniger bis gar nicht auf Anleihen setzen und deshalb höhere Renditen versprechen. Erstens existiert unter dem Schlagwort "moderne Klassik" ein Sammelsurium neuartiger Konstruktionen, von denen die meisten nah an klassischen Policen sind.

So ist der Anlagemix bei der modernen und der alten Klassik oft der gleiche, denn das Investment erfolgt in beiden Fällen im sogenannten Sicherungsvermögen, also in Eigenregie des Anbieters. Eine höhere Rendite soll dadurch erzielt werden, dass der Versicherer durch die gekürzten Garantien weniger Kapital beiseitelegen muss. Entsprechend wird eine höhere Überschussbeteiligung in Aussicht gestellt. All diesen Angeboten ist gemein, dass es keine Orientierung an einem Index gibt.

Neuartige Produkte im Blick

Zweites neues Segment sind sogenannte Indexpolicen. Hier haben Kunden in jedem Jahr vorab die Wahl: Wollen sie eine feste Verzinsung haben? Oder möchten sie mit der Überschussbeteiligung teilweise oder komplett an der Entwicklung eines oder mehrerer Indizes partizipieren? Dabei werden bei den meisten Anbietern stets am Jahresende die monatlichen Wertentwicklungen addiert, jeweils bis zu einem prozentualen Höchstwert (dem sogenannten Cap) oder mit einer prozentualen Beteiligung an den Gewinnen (der Partizipationsquote).

Vorteile: Von den Kosten abgesehen, ist es ausgeschlossen, dass der Versicherte draufzahlt, denn Verluste auf Jahressicht werden nicht mitberechnet. Wenn er sich am Index beteiligt, fällt die Rendite in der Rückrechnung meist höher aus als bei klassischen Policen. Nachteile: Renditechancen sind durch Cap oder Quote limitiert. Zudem schrumpft bei sinkenden Zinsen die Überschussbeteiligung, die der Indexpartizipation dient.

Diese neuartigen Produkte haben ohnehin schon geringere Garantien als die klassischen. Doch seit Jahresbeginn wurden sie weiter zurückgeschraubt. So hat die Allianz (auf sie entfällt mittlerweile rund die Hälfte des Neugeschäfts aller Lebensversicherer) zwei Topseller im Angebot - namens "Perspektive" und "Indexselect". Für beide galt bislang: Zu Vertragsende wird mindestens die Prämiensumme zurückgezahlt. Diesen Wert schraubte die Allianz auf 90 Prozent herab. Das bedeutet: Nicht einmal mehr die Einzahlungen sind garantiert - geschweige denn irgendeine positive Verzinsung.

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Dieser Artikel erschien zuerst am 22.02.2021 auf boerse-online.de

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