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Milliarden-Zuflüsse in offene Immobilienfonds

In Zeiten, in denen sichere Anleihen negative Renditen erwirtschaften, flüchten Anleger in offene Immobilienfonds. Die Zahlen des BVI zu den Zuflüssen im ersten Halbjahr zeigen die enorme Beliebtheit.

Totgeglaubte leben länger

Nach der Schließung und zwangsweisen Liquidierung offener Immobilienfonds, die teilweise zu deutlichen Verlusten bei Investoren führten, schien die Anlageklasse tot. Doch weit gefehlt. Vor sechs Jahren sorgten gesetzliche Regulierungen für neues Vertrauen. Aktuell fließen wieder massenhaft Gelder in offene Immobilienfonds. Anbieter stehen vor der Herausforderung, bei gestiegenen Immobilienpreisen nicht zu teuer zu investieren. Teilweise gibt es Beschränkungen für die Annahme neuer Anlagegelder. Der Branchenverband BVI meldete für die deutsche Fondsindustrie im ersten Halbjahr einen Zufluss von 6,1 Milliarden Euro in diese Kategorie und damit so viel wie bei keiner anderen Fondsart. Damit lagen die netto zugeflossenen Gelder mehr als doppelt so hoch als im Vergleichszeitraum des Vorjahres (2,8 Milliarden Euro).

Flucht aus Renten

Bei den Anleihen-Fonds setzte sich im ersten Halbjahr 2019 die schwache Tendenz des Vorjahres fort. Insgesamt wurden in den ersten sechs Monaten zwei Milliarden Euro abgezogen. Die aktuelle Landschaft aus Niedrig- und Negativzinsen macht Anleihen-Investments unattraktiv. Die großen Notenbanken sind weiter auf Zinssenkungskurs ohne absehbares Ende. Konjunkturelle Risiken durch die Ausweitung des Handelsstreits zwischen China und USA sowie die Folgen eines möglicherweise ungeordneten Brexits machen Zinserhöhungen unwahrscheinlich. Auch für Deutschland sieht es konjunkturell eher düster aus. Der ZEW-Index, der die konjunkturellen Erwartungen der Finanzexperten misst, gab im August um 19,6 Punkte auf -44,1 Punkte ab. Erwartet wurde ein Rückgang auf -28,5 Punkte.

Geringes Interesse

Nur leichte Zuflüsse im ersten Halbjahr gab es nach den BVI-Zahlen mit 0,7 Milliarden Euro bei Aktienfonds, noch etwas niedriger lagen sie bei Mischfonds mit 0,3 Milliarden Euro. Viele Fonds dieser Kategorie nutzen auf der defensiven Seiten Rentenpapiere. Für diese gemischten Mandate werden die Zeiten rauer. Die Performance-Erfolge vergangener Jahre als sie von Kursgewinnen bei Aktien und Renten profitieren konnten bleiben bei defensiv ausgerichteten Produkten zunehmend aus. In allen Kategorien flossen der deutschen Fondswirtschaft im ersten Halbjahr insgesamt 41,9 Milliarden Euro zu.

David gegen Goliath

Zu den Top-Geldeinsammlern des ersten Halbjahres 2019 gehört die Vermögensverwaltung Flossbach von Storch aus Köln. Insgesamt flossen 2,3 Milliarden in die offenen Publikumsfonds dieses Anbieters. Damit verwiesen die Kölner Asset Manager die DWS, Allianz Global Investors und Deka auf die hinteren Plätze. Der Flaggschiff-Fonds aus dem Hause Flossbach von Storch, der FvS Multiple Opportunities, bringt aktuell ein Volumen von knapp 15 Milliarden Euro auf die Waage. Im laufenden Jahr hat der Fonds bereits einen Ertrag von 13 Prozent erzielt und sich damit im Vergleich mit der Kategorie „Flexible Mischfonds“ überdurchschnittlich entwickelt.

Blick auf Index-Fonds

Beim Blick auf die aktuellen Zahlen zu den globalen Zu und Abflüssen bei ETFs zeigt sich, dass Index-Fonds auf Aktien beliebter geworden sind als Bond-ETFs. Nach Zahlen des ETF-Anbieters Amundi sind im Juli erstmals in diesem Jahr Aktien-Produkte wieder gefragter gewesen als Anleihen-ETFs. Insgesamt wurden im Juli 28 Milliarden Euro in Aktien-ETFs investiert, ein besonders hoher Teil davon, nämlich 20,6 Milliarden Euro, flossen in Indexfonds, die in US-Aktien investieren. Anleihe-Indexfonds kamen auf Neuinvestitionen in Höhe von 16,8 Milliarden Euro. Gefragter als ETFs auf Staatsanleihen (Zuflüsse im Juli: 4,6 Milliarden Euro) waren solche auf Corporate Bonds (6,6 Milliarden Euro).

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