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Mobiles Zahlen: Diese Unternehmen verdienen prächtig

Mit Fusionen streben Unternehmen wie Global Payment in der noch jungen Branche der Bezahldienstleister nach Größe.

Deal closed", vermeldete vor ein paar Tagen das US-Unternehmen Fidelity National Information Services (FIS). Bis dahin musste niemand den Spezialisten für Bankensoftware kennen. Nun hat FIS aber die größte Milliardenfusion in der noch jungen Branche der Bezahldienstleister durchgezogen. Durch den Kauf der britischen Worldpay für 35 Milliarden Dollar und Übernahme der Schulden wird FIS zu einem weltweit führenden Bezahldienstleister.

Mit einem gemeinsamen Umsatz von zwölf Milliarden US-Dollar liegt FIS zwar noch hinter Weltmarktführer Paypal. Die frühere Ebay-Tochter aus dem Silicon Valley hat für 2018 Erlöse in Höhe von mehr als 15 Milliarden Dollar vermeldet. Weit davon entfernt ist FIS nicht - und schlägt so auch die euro­päischen Konkurrenten Wirecard aus Deutschland und Adyen aus den Niederlanden um Längen.

FIS dürfte künftig unter Investoren an Prominenz gewinnen. Die Analysten der Privatbank Berenberg haben die Aktie bereits auf ihre Beobachtungsliste gesetzt. Sie glauben, dass der Markt das Potenzial der Fusion unterschätzt, und trauen dem im Vergleich zu den Wett­bewerbern günstig bewerteten Titel ein Plus von 25 Prozent zu. Das Umsatzwachstum soll um vier bis sechs Prozent zulegen, im ersten Quartal lag das organische Wachstum bei fünf Prozent.

 

Das Schöne am Zusammenschluss: FIS, das Finanzhäusern die Auslagerung der IT-Systeme ermöglicht, kann seinen Kunden künftig eine breitere und anspruchsvollere Bandbreite an Produkten anbieten. Händler wollen verzahnte und international operierende Zahlsysteme, die zudem den Regularien entsprechen. Der Vorteil für Worldpay ist, dass das Londoner Unternehmen nicht mehr ausschließlich auf das niedrigmargige Geschäft mit digitaler Zahlungsabwicklung angewiesen ist.

Die geringe Profitabilität ist der Grund, weshalb sich Banken früher nie ernsthaft dafür interessiert haben, eine teure Transaktionsinfrastruktur zu pflegen und kleine Gebühren für Überweisungen zu kassieren. Worldpay selbst ist nach der Finanzkrise von der Royal Bank of Scotland verkauft worden. Erst der Trend zu Onlineshopping, kontaktlosem Bezahlen mit Kreditkarte oder Smartphone haben die Branche aus der Nische katapultiert.

Zwischen 2013 und 2018 ist die globale Bezahlindustrie im Schnitt um acht Prozent gewachsen, hat die Beratungsgesellschaft McKinsey errechnet. Im vergangenen Jahr lag der Branchenumsatz bei 2,3 Billionen Dollar. 2022 soll er bei 2,9 Billionen liegen, was einem jährlichen Wachstum von neun Prozent entspricht. Die McKinsey-Berater halten es aber nicht für ausgeschlossen, dass die Drei-Billionen-Marke vorher geknackt wird.

Angetrieben wird die Branche nicht nur von der zunehmenden Anwendung digitaler und kontaktloser Bezahlvorgänge und Überweisungen, auch über Landesgrenzen hinweg. Die Unternehmen haben Einblicke in die Kundendaten, wie es zuvor nur Banken hatten. Mit Inkrafttreten der EU-Zahlungsdiensterichtlinie am 14. September dürfen auch Firmen Konten auslesen. Diese Daten sind ein Goldschatz, und Masse ist dabei das entscheidende Kriterium - auch wenn es um die Marge geht. "In unserer Branche, die sich rasch verändert, spielt Größe eine entscheidende Rolle", sagte FIS-Vorstandschef Gary Norcross, der auch das fusionierte Unternehmen leiten wird.

Fusionen vor allem in den USA

Im Streben nach Marktmacht rollt eine Übernahmewelle durch die Branche, bislang vor allem in den USA. Ebenfalls gerade erst hat das US-Softwareunternehmen Fiserv die Übernahme des Worldpay-Konkurrenten First Data für 22 Milliarden Dollar abgeschlossen. Der Jahresumsatz dürfte künftig zwischen vier und fünf Milliarden Dollar liegen.

Der ebenfalls US-amerikanische Zahlungsabwickler Global Payments und der heimische Konkurrent Total System Services (TSYS) - der größte Anbieter von Kreditkartenkonten in den Vereinigten Staaten - haben jüngst einen Zusammenschluss in Form eines Aktiendeals angekündigt. TSYS soll Aktien vom neuen Partnerunternehmen im Wert von 21,5 Milliarden Dollar erhalten. Gemeinsam bedienen die Dienstleister 3,5 Millionen kleine und mittelgroße Händler sowie rund 1300 Finanzfirmen. Das "Deal-Closing" soll zum Jahresende stattfinden, ab nächstem Jahr ist ein Umsatz von rund acht Milliarden Dollar zu erwarten.

Die US-Amerikaner kaufen auch in Europa ein. First Data etwa hat im März das 2008 in Bad Homburg gegründete Unternehmen Aycash gekauft, das unter den Marken Cashforless und Yescash Händlern bargeldlose Zahlungsterminals und digitale Händler-Netzbetriebsservices anbietet. "Wir sehen ein starkes Wachstum in Deutschland und wollen unsere Kunden in der Region in Zukunft so bedienen", sagte John Gibbons aus dem europäischen Managementteam von First Data.

Der Kreditkartenanbieter Visa hat das Münchner Fintech Payworks geschluckt. Payworks managt die Schnittstelle zwischen Kartenterminals und den Händlerbanken. Seit zwei Jahren bereits tüfteln Visa und Payworks an einer sicheren Software. Der Kauf sei nur eine natürliche Ausweitung der Kooperation, heißt es vom US-Kreditkartenanbieter.

Wirecard geht eigenen Weg

Um den deutschen Platzhirschen Wirecard ist es hingegen in puncto Fusionen noch ruhig. Wirecard-Finanzchef Alexander von Knoop sagte jüngst: "Wir sind eigenständig bestens aufgestellt und können schneller wachsen als der Markt." Das Unternehmen aus Aschheim bei München sei weder ein Übernahmekandidat noch habe es nach dem Zukauf des Kreditkartenakzeptanzgeschäfts der US-Bank Citigroup in den USA und Asien weitere Ziele im Visier. Wirecard setzt auf Kooperationen, etwa mit dem japanischen Techkonzern Softbank oder dem chinesischen Bezahldienstgiganten Alipay.

Die Partnerschaft mit Softbank trägt bereits Früchte: Wirecard soll Finanzlösungen für die Gebrauchtwagenplattform Auto1 anbieten. Zudem scheint sich Wirecard von der Strategie zu verabschieden, vor allem auf kleine und mittelgroße Händler zu setzen. Zu den neuesten Kunden zählen die Lebensmittelketten Aldi und Metro. Mit einem Umsatz von rund zwei Milliarden Euro 2018 ist Wirecard aber noch weit von der US-Konkurrenz entfernt. Irgendwann könnte die Fusionswelle auch die Deutschen erwischen.

 

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