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Onlinebroker im Test: Welcher Broker zu Ihnen passt

In einer dreiteiligen Serie bewerten wir das Angebot von 15 Onlinebrokern. Teil 1: Die Basics - Depotgebühren, Xetra-Handel, Orderfunktionalitäten, Zinsen und Sicherheit.

Mitten in der Corona-Pandemie haben die Deutschen die Börse entdeckt: 2020 wurden so viele Depots neu eröffnet wie noch nie. Schätzungen gehen allein bei den Onlinebrokern von etwa 1,5 Millionen neuen Depots aus. Und der Boom geht weiter. Grund genug, auch Anfang 2021 das Angebot von 15 bundesweit aktiven Onlinebrokern zu analysieren. Denn nicht jeder Onlinebroker ist für jeden Anleger gleich gut geeignet. Der eine bietet nur den Handel mit Aktien und ETFs, der nächste hat keine Sparpläne im Angebot.

Der Testaufbau

Die Basis unseres Onlinebroker-Tests blieb gegenüber den Vorjahren grundsätzlich unverändert. Um 15 deutschlandweit aktive Onlinebroker auf Herz und Nieren zu checken, wurden bei jedem Broker in 35 Kategorien mehr als 500 (Unter-)Punkte bewertet. Dabei waren Kosten und Gebühren nicht das wichtigste Kriterium. Mit niedrigen Kosten war maximal knapp ein Viertel der insgesamt 4.500 möglichen Punkte zu erzielen. Das Hauptaugenmerk lag darauf, wie umfassend das Angebot ist, aber auch, wie es um die Sicherheit bei den Brokern bestellt ist.

Grundsätzlich galt für die Bewertung: Je wichtiger ein Aspekt für möglichst viele Privatanleger ist, desto mehr Punkte waren zu erzielen. Und je vorteilhafter dabei etwas für Privatkunden geregelt ist, desto mehr Punkte gab es. Es geht in dem Test also um deutlich mehr, als um eine reine Bewertung der Kosten und Gebühren.

Neo-Broker blieben außen vor

Noch ein Hinweis vorneweg: In den vergangenen eineinhalb Jahren starteten mit Gratisbroker, JustTrade, Scalable Capital Brokerage, Smartbroker und Trade Republic gleich fünf neue Broker in Deutschland. Alle fünf überzeugen mit äußerst geringen Kosten, allerdings ist bei den meisten von ihnen das Tradingangebot noch recht überschaubar. Oft ist nur der Handel von Aktien und ETFs möglich, auch Sparpläne sind nicht bei allen "Neo-Brokern" möglich.

Einzig Smartbroker hat eine umfangreiche Angebotspalette, ist dafür unter den Neulingen aber auch der teuerste. Er ist eher ein sehr günstiger klassischer Discountbroker als ein Kostenlos-Broker. Die Folge: Lediglich Smartbroker wurde in unserem Test berücksichtigt. Die vier anderen Zero-Broker blieben außen vor. Jedoch planen wir einen eigenen Test dieser Neo-Broker, der im Spätsommer erscheinen wird.

Was die klassischen Onlinebroker jeweils bieten, wird im Folgenden anhand von Fragen geklärt, die sich früher oder später wohl jeder Anleger stellt. Los geht es im ersten Teil mit Fragen zu den Basics des Börsenhandels.

Welcher Anbieter hat die niedrigsten Depotgebühren?

Derzeit erheben zehn der getesteten Onlinebroker überhaupt keine Depotgebühren. Vier Broker - Comdirect Bank, Sparkassen-Broker, Targobank und 1822direkt - erheben zwar Depotgebühren von bis zu 47,88 Euro, jedoch lassen sich diese recht leicht umgehen, etwa mit ein oder zwei Trades je Quartal oder einem aktiven Wertpapiersparplan. Als einziger Onlinebroker im Test erhebt Flatex eine Depotgebühr (0,1 Prozent des Depotvolumens), die sich nicht so leicht umgehen lässt. Nur wer in den zwölf Monaten zuvor mindestens 500 Trades ausgeführt oder einen Kredit über mindestens 75.000 Euro in Anspruch genommen hat, spart sich diese Kosten. Bei einem Depotwert von 50.000 Euro sind das immerhin 50 Euro im Jahr.

Wer hat das beste Angebot für den Xetra-Aktienhandel?

Hier zeigte sich DeGiro am stärksten: Mit 93 von 112,50 möglichen Punkten ließ dieser Broker die Konkurrenz weit hinter sich. So kostet bei DeGiro beispielsweise eine Xetra-Order auf einen DAX-Titel im Volumen von 2.500 Euro inklusive aller Fremdkosten lediglich 2,65 Euro. Auf Platz 2 folgte Neuling Smartbroker (73,10 Punkte). Hier zahlt man für die gleiche Order immer noch sehr günstige 5,42 Euro. Auf dem dritten Platz liegt hier in der aktuellen Auswertung die Onvista Bank mit ihrem Festpreis-Depot, das sich auch über finanzen.net abschließen lässt. Sie kam immerhin auf 55,90 Punkte. Hier gibt es unsere Xetra-Beispielorder inklusive Fremdkosten für sieben Euro.

Was ist mit Limitgebühren?

Für das Einrichten, Ändern, Streichen und Auslaufen limitierter Onlineorders wird man bei fast keinem Broker mehr extra zur Kasse gebeten. Lediglich die Postbank verlangt für das aktive Ändern einer Limitorder an deutschen Börsen einheitlich 2,50 Euro, an Auslandsbörsen werden sogar 4,50 Euro fällig.

Etappenziel
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Wie hoch sind bei deutschen Namensaktien die Gebühren für die Eintragung ins Aktionärsregister?

In diesem Punkt unterscheiden sich die Anbieter deutlich: Während beim Kauf deutscher Namensaktien die Eintragung ins Aktionärsregister bei fünf Anbietern kostenlos ist, erheben neun Onlinebroker dafür Gebühren zwischen 0,60 Euro (DKB - Deutsche Kreditbank, Flatex, Postbank, Smartbroker, S-Broker) und 1,95 Euro (Consorsbank) je Kauf. Bei der Onvista Bank werden je Position 0,89 Euro fällig, allerdings nur, wenn sich die Anzahl der Namensaktien mit derselben Wertpapierkennnummer während des Tages erhöht hat. Und die 1822direkt, eine Onlinetochter der Frankfurter Sparkasse, reicht die für die Eintragung fälligen Börsengebühren eins zu eins an die Anleger weiter. Bei der Comdirect Bank, einer Marke der Commerzbank, wer- den 0,95 Euro fällig. Und bei DeGiro ist die Eintragung ins Aktionärsregister für Privatanleger im Normalfall nicht möglich.

Und wer auch mal auf inländische Hauptversammlungen will?

Der sollte sein Depot besser nicht bei DeGiro führen. Dieser Anbieter verlangt für seinen Hauptversammlungsservice - Zusenden von Eintritts- und/oder Abstimmungskarten - mindestens 100 Euro je Hauptversammlung zuzüglich entstandener Kosten. Bei Flatex kostet das lediglich 5,90 Euro und bei der Onvista Bank fünf Euro. Bei allen anderen Getesteten ist dieser Service gratis.

Wie sieht das Angebot an Ordertypen aus?

Auch da gibt es deutliche Unterschiede. So bietet DeGiro gerade mal Billigst-/Bestens-, Buy-Limit/Sell-Limit-, Stop-Loss/Stop-Buy-, Stop-Loss-Limit/Stop-Buy-Limit- und Trailing-Stop-Loss/Trailing-Stop-Buy an. Schon Kombinationsorders wie One-Cancels-Others- (OCO) oder Next-Orders gibt es nicht. Andere - wie Comdirect Bank, Consorsbank, Flatex, Merkur Bank, Sparkassen-Broker - bieten 15 und mehr Orderfunktionalitäten. Im Schnitt werden knapp zwölf Orderarten offeriert. Allerdings wird nicht jede Orderfunktionalität auch an jeder Börse angeboten.

Wie steht es um die maximale Ordergültigkeit?

Maximale Ordergültigkeiten bis zum Jahresende oder bis maximal 360 Tage sind keine Seltenheit mehr. Jedoch gilt das nicht für jeden Broker und jede Börse: So bietet DeGiro im direkten US-Handel als maximale Gültigkeitsdauer 90 Tage an, an der Börse London sind bei diesem Broker lediglich tagesgültige Orders möglich. Auch Flatex und ING schwächeln hier: 90 Tage sind bei ihnen Maximum an NYSE, Nasdaq und bei Tradegate.

Maxblue (Deutsche Bank) macht Einschränkungen in Sachen Ordergültigkeit nur an der Börse London: 90 Tage. Und bei der Onvista Bank sind 90 Tage grundsätzlich das Maximum an jeder angebundenen Börse. Der Sparkassenbroker ist da besser. Auf Xetra und den deutschen Regionalbörsen bietet er Ordergültigkeiten bis 360 Tage an. Apropos Xetra: Bis auf Onvista bieten alle Broker hier 360 Tage als maximale Ordergültigkeit.

Wie steht es um die Sicherheit?

Es wurde auch betrachtet, wie stark das Onlinebrokerage vor Cyberkriminellen geschützt ist. So wurde etwa abgefragt, wie häufig die Zwei-Faktor-Authentifizierung bei Anmeldung, Orderaufgabe und -änderung, Überweisungen und bei weiteren Aktionen zur Anwendung kommt. Zudem wurde gecheckt, wie kulant sich die Broker gegenüber Kunden zeigen, die von Cyberkriminellen betrogen wurden. Und es wurde bewertet, wie sicher die Verfahren sind, die bei Onlinetransaktionen zum Einsatz kommen, wie hoch die Einlagensicherung ist, welche alternativen Zugangswege und kostenlosen Notfall-Orderwege es gibt, sollte die normale Aufgabe von Onlineorders gestört sein.

Wie hoch sind die Habenzinsen für täglich verfügbares Geld?

Heute sind Negativzinsen auf Cash-Guthaben - oft beschönigend "Verwahrentgelt" genannt - längst der Normalfall, wenn auch nicht vom ersten Euro an. Meist wird ein Freibetrag von 100.000 Euro eingeräumt. Einzig bei der NIBC Direct gibt es derzeit auf Guthaben noch 0,2 Prozent Zinsen im Jahr. Die 1822direkt bietet noch 0,001 (!) Prozent für maximal 20.000 Euro. Macht 20 Cent im Jahr. Selbst darauf muss man bei Consorsbank, S-Broker und Targobank "verzichten", dafür ist man hier aber wenigstens noch vor Strafzinsen und Verwahrentgelten gefeit.

Und bei der ING erhalten Kunden, die ihr Depot/Konto vor dem 4. November 2020 eröffnet haben, ebenfalls 0,001 Prozent auf maximal eine Million Euro. Bei allen anderen ist man als (Neu-)Kunde von Negativzinsen betroffen. Am stärksten bei Flatex: Hier zahlen Kunden vom ersten Euro Guthaben an 0,5 Prozent im Jahr. Auch Smartbroker erhebt 0,5 Prozent Strafzinsen auf Cash-Guthaben, jedoch nur, wenn dieses 15 Prozent des Depotvolumens übersteigt.

Lassen sich Wertpapiere beleihen?

Neun Broker bieten Wertpapierkredite an. Jedoch ist unterschiedlich geregelt, welche Wertpapiere generell dafür infrage kommen. Ist ein Titel beleihbar, schwanken die maximalen Beleihungsgrenzen je nach Risikoprofil des Papiers zwischen 20 und 90 Prozent des Kurswerts. Die Zinssätze liegen dabei derzeit zwischen 1,25 Prozent im Jahr (DeGiro) und 5,51 Prozent (Consorsbank).

Wer liegt nach dem ersten Teil des Tests vorn?

Im ersten Teil erzielte die Comdirect Bank 1018,45 von 1710 maximal möglichen Punkten. Mehr Punkte erhielt keiner. Mit 984,92 Punkten kam die Merkur Privatbank auf Platz 2. Und auf Platz 3 kämpfte sich Smartbroker mit 971,26 Punkten.

Im zweiten Teil dreht sich im zweiten Teil des Tests alles um Handelsmöglichkeiten im In- und Ausland, Kosten und Gebühren abseits des Xetra-Handels sowie um die Informations-, Research- und Beratungsangebote der Broker.

SO WURDE GEWERTET:

Im Test: Wir haben für den dreiteiligen Onlinebroker-Test 15 in Deutschland aktive Onlinebroker untersucht. Dabei wurden in 35 Kategorien mehr als 500 (Unter-)Punkte der (Standard-) Konditionen des jeweiligen Preismodells bewertet.

Bewertung: Insgesamt konnte jeder Onlinebroker in dem dreiteiligen Test maximal 4.500 Punkte erzielen. Diese verteilten sich wie folgt auf die drei Teile des Tests: Im ersten Teil (aktuelle Ausgabe) konnten maximal 1.710 Punkte erzielt werden. Bis zu 22,5 Punkte gab es im Bereich Depotgebühren. Mit guten Konditionen beim Xetra-Handel waren maximal 112,5 Punkte zu erreichen. Möglichst umfassende Orderfunktionalitäten an möglichst vielen Börsen und möglichst lange maximale Ordergültigkeiten waren für bis zu 675 Punkte gut.

Hohe Sicherheitsstandards (Zwei-FaktorAuthentifizierung, Absicherung der Orderaufgabe, Einlagensicherung, Haftung bei Phishing etc.) sowie Alternativen bei Orderaufgabe und Depotzugängen brachten ebenfalls bis zu 675 Punkte. Möglichst hohe Guthabenzinsen und gute Konditionen für Wertpapierkredite waren im Test bis zu 225 Punkte wert. Für Minuszinsen/Verwahrentgelte gab es Punktabzüge.

Mit erweiterten Handelsmöglichkeiten konnten im zweiten Teil (maximal 1.575 Punkte erzielt werden.

Und im dritten Teil waren mit einem möglichst umfassenden Fondshandel, möglichst umfangreichen Wertpapier- ,Spar- und -Auszahlplänen die restlichen 1.215 Punkte zu erzielen (Details zu den Bewertungen dieser Teilbereiche in den jeweiligen Ausgaben). Platzierung: Je mehr Punkte ein Anbieter insgesamt erzielte, desto besser die Platzierung im Gesamtklassement.

Dieser Artikel erschien zuerst am 15.02.2021 auf boerse-online.de

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