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PIM Vermögen: Anleger bangen um ihren Goldbesitz

Nach einer Razzia haben Ermittler beim südhessischen Goldhändler PIM Vermögen gesichert und überprüft. Laut Staatsanwaltschaft fehlen rund 1,8 Tonnen Gold. Über 1000 Anleger könnten von dem Betrug betroffen sein.

Für Kunden des Goldhändlers Premiummetals International Market (PIM) sieht es schlecht aus. Vergangene Woche hatten Polizisten den PIM-Chef Mesut P. festgenommen und das Hauptquartier im südhessischen Heusenstamm sowie das Vertriebsgebäude von Premium Gold Deutschland (PGD) durchsucht. Sämtliche Konten des Unternehmens wurden eingefroren, alle Vermögenswerte beschlagnahmt. Nun folgte für PIM-Kunden der nächste Schock: Ermittler gehen davon aus, dass in den PIM-Tresoren fast zwei Tonnen Gold fehlen, berichtet das Handelsblatt. Bei den derzeitigen Goldpreisen entspricht das einem Wert von rund 82 Millionen Euro. Laut Staatsanwaltschaft könnten über 1000 Kunden von dem Anlagebetrug betroffen sein.

Bei PIM waren viele Kunden in Vorkasse gegangen. Das Unternehmen bot ihnen drei bis sechs Prozent mehr Gold, wenn sie ihr erworbenes Gold im Tresor des Unternehmens liegen lassen und nicht abholen würden. Das Unternehmen versprach, das Kapital im Altgoldhandel einzusetzen und so Gewinne für sie zu erwirtschaften. Die Staatsanwaltschaft sieht das Geschäft von PIM und PDG als Schneeballsystem. Geld neuer Kunden sei keineswegs in Gold geflossen, sondern in Form von Provisionen an Vermittler gegangen oder zur Auszahlung an Altanleger genutzt worden.

PIM soll höheren Goldpreis aufgerufen haben

Im Jahr 2016 sollen laut Ermittlern gerade einmal 20 Prozent des Umsatzes auf dem Verkauf von Gold, Schmuck und Altgoldhandel beruht haben, schreibt das Handelsblatt. Echte Goldgeschäfte machten somit nur einen Bruchteil der PIM-Masche aus. Eine Insolvenz des Goldhändlers schließen die Behörden nicht aus. Für Anleger wäre das eine weitere schlechte Nachricht, sagte der Anwalt Stephan Greger gegenüber dem Handelsblatt: "Sie könnten ihre Forderung anmelden und müssten dann darauf hoffen, einen gleichmäßigen Anteil aus der Insolvenzmasse zu erhalten." Bei seiner Kanzlei für Bank- und Kapitalmarktrecht würden sich halbstündlich neue betroffene Anleger melden.

Laut Ermittlern soll PIM seinen Kunden systematisch einen höheren Goldpreis vorgetäuscht haben, berichtet das Handelsblatt. In Vertragsunterlagen habe gestanden, das Gold werde zum Börsenpreis verkauft. PIM habe aber Aufschläge in Höhe von 30 Prozent und mehr darauf erhoben.

Erster Vorwurf des Betrugs schon im Jahr 2017

Der PIM-Chef sitzt seit der Razzia in Untersuchungshaft, da die Ermittler befürchten, er könne sich in die Türkei absetzen. Die Webseite des Goldhändlers zeigt nur noch eine Nachricht, in der PIM Kunden und Geschäftspartner über den eingestellten Betrieb informiert. Betroffene können sich über ein speziell eingerichtetes E-Mail-Postfach (gold-zk20.ppsoh@polizei.hessen.de) bei der Polizei melden, steht dort. Auch ein Facebook-Video, das die Einlagerung des Goldes im Tresor zeigte, ist inzwischen nicht mehr online. Im November vergangenen Jahres hatte die Finanzaufsicht Bafin eine Warnung veröffentlicht, da ein PIM-Verkaufsprospekt nicht die gesetzlich vorgeschriebenen Angaben enthielt. Noch viel früher hatte ein ehemaliger Mitarbeiter Alarm geschlagen, so das Handelsblatt. Er hatte PIM vorgeworfen, es seien über 1,5 Tonnen Kundengold verschwunden. Das Unternehmen stellte sich damals als Opfer einer Schmutzkampagne dar und stritt die Vorwürfe bis zuletzt ab.

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