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Problematisch ja, Krise - nur vielleicht

Japan hat zahlreiche Regionalbanken, und die haben haufenweise Probleme. Dass daraus eine weltweite Krise fürs Finanzsystem entsteht, ist derzeit nicht ausgeschlossen - aber eben auch nicht besonders wahrscheinlich.

 

Japans Regionalbanken haben seit geraumer Zeit grundsätzliche Probleme: Die Bevölkerung des Landes altert und schrumpft, die Wirtschaft läuft mäßig und der hierzulande um sich greifende Negativzins ist in Japan schon seit viele Jahren Realität – keine gute Ausgangsbasis für kleine Kreditinstitute, rentabel zu arbeiten. Zuletzt hatte es einige Rating-Herabstufungen gegeben, gepaart mit Befürchtungen, die Probleme der japanischen Regionalbanken könnten die nächste globale Finanzkrise auslösen.

Experten halten das zwar grundsätzlich für möglich: „Durch die Verflechtung der Finanzsysteme sowie die Rolle, die Vertrauen und Risikopräferenz spielen, ist es durchaus plausibel, dass Probleme in irgendeinem Banksektor weiterreichende Folgen haben“, sagt Dan Carter, Fondsmanager des Jupiter Japan Select bei Jupiter Asset Management. „Aber ist das die wahrscheinlichste Schlussfolgerung?

Er plädiert stattdessen für eine differenzierte Sichtweise: „Wir wollen das Risiko, dass sich diese Probleme verstärken und ausbreiten, nicht herunterspielen. Das Szenario ist durchaus plausibel und wir werden es ganz genau im Auge behalten. Wir möchten vielmehr vor der pessimistischsten Auslegung der aktuellen Ereignisse als wahrscheinlichstes Szenario warnen.“

Aus Sicht des Experten sprechen einige Gründe dafür, dass die Regionalbanken die Probleme in den Griff bekommen: Die Fixkosten sinken demnach bei vielen Instituten, und es gebe großes Potential für weitere Verbesserungen, was das Problem der geringen Rentabilität abschwächen könnte. Allerdings räumt Carter ein, dass das Thema damit nur teilweise vom Tisch ist, die da Kreditkosten seit Kurzem ansteigen.

Medienberichte über zunehmend riskante Anlagen der Banken relativiert der Experte: „Wir möchten anmerken, dass, wenn die Regionalbanken versucht haben, durch die Vergabe oder den Erwerb von risikoreichen Darlehen Gewinn zu generieren, sie dabei ziemlich erfolglos waren, wie die niedrigen Gewinne im Sektor beweisen.“

Problematischer ist aus seiner Sicht, dass japanische Banken den Negativzins bislang nicht dazu nutzen konnten, mehr Darlehen zu vergeben. Auch die Anfang dieses Monats in Kraft getretene Mehrwertsteuer-Erhöhung von acht auf zehn Prozent dürfte für das Geschäft der Banken kaum hilfreich sein: Bei der letzten, freilich deutlich stärkeren Mehrwertsteuererhöhung vor fünf Jahren hatte es eine Konjunktur-Delle gegeben. Ministerpräsident Shinzo Abe sieht aber offenbar keine andere Chance, die gigantische Haushaltsverschuldung seines Landes in den Griff zu bekommen.

Die Lösung des Regionalbanken-Problems könnte Japan-Fondsmanager Carter zufolge in Übernahmen von Regionalbanken bestehen, angetrieben durch niedrige Aktienkurse der betroffenen Institute. Carter nennt als Beispiel die jüngste Übernahme der Eighteenth Bank durch die größere Fukuoka Financial Group (FFG) für einen „Schnäppchenpreis“.

Im Gegenzug hatte die FFG unmittelbar nach der Übernahme große Rückstellungen gebildet. „Der Nettoeffekt war, dass die wahren Opfer der schlechten Qualität der Aktiva die Aktionäre der Zielbank waren – und das ist auch richtig so“, sagt Carter. „Darin liegt womöglich die Lösung der Probleme der Regionalbanken. Konsolidierung zu einem offensichtlichen Spottpreis, ausgeglichen durch Rückstellungen oder Abschreibungen.“

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