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Rentenfonds: Starke Abflüsse zum Halbjahr

Rentenfonds galten einmal als sichere Bank im Vertrieb der Fondsanbieter. Doch im zweiten Quartal 2018 haben Anleger in einem bisher nicht gekannten Ausmaß ihre Portfolios aufgeräumt und Rentenfonds ausgekehrt.

Rentenfonds sind out. Aus den ehemaligen Anlegerlieblingen sind plötzlich Ladenhüter geworden. Und das scheinbar über Nacht. Noch im Jahr 2017 hatten Investoren knapp 290 Milliarden Euro in europäisch domizilierte Rentenfonds investiert. Die Trendwende kam prompt: Zwischen April und Juni mussten Rentenfonds gut 18 Milliarden Euro an Abflüssen hinnehmen. Nur dank der Januar-Zuflüsse blieb die Halbjahresbilanz für Rentenfonds überhaupt positiv, mit einem Plus von 3,4 Milliarden Euro. Unter dem Strich steht eine ernüchternde Zahl: Im ersten Halbjahr flossen durchschnittlich pro Monat gerade einmal 570 Millionen Euro in Rentenfonds. Im vergangenen Jahr waren es durchschnittlich rund 24 Milliarden Euro pro Monat. Das ist ein gewaltiger Unterschied.

Es ist ein bemerkenswerter Stimmungsumschwung, der die einzelnen Rentenfondssegmente unterschiedlich stark betrifft. Schaut man in aktuelle Statistiken der Ratingagentur Morningstar, sind flexible Rentenfonds mit globalem Investmentschwerpunkt die größten Verlierer. Aus diesen Fonds zogen Anleger im zweiten Quartal netto 6,7 Milliarden Euro ab. Es folgen globale und US-Dollar Hochzinsfonds, die Nettoabflüsse von 4,8 Milliarden bzw. 4,3 Milliarden Euro hinnehmen mussten, gefolgt von Euro-Kurzläuferfonds und diversifizierte US-Dollar-Rentenfonds (einschließlich Kurzläufer). Auch Euro-Unternehmensanleihefonds und Schwellenländer-Corporate Bond-Fonds wurden stark verkauft. Schlussendlich gerieten auch Fonds für Schwellenländeranleihen, die in lokalen Währungen begeben werden, unter Verkaufsdruck, und das vor allem im Juni.

Anleger sehen mehr Risiken und weniger Chancen

Sieht man sich die Verliererliste an, scheint es so, als ob Anleger offensichtlich Anleihe-Risiken in ihren Portfolios reduzieren wollen. Das ist insofern überraschend, als Mittelflüsse in Fonds normalerweise eher Reaktionen auf Entwicklungen sind und nicht deren Vorboten. Viele Investoren haben jedoch die Reißleine gezogen, obwohl viele der den Fonds zugrunde liegenden Märkte sich stabil bis positiv entwickeln. Die fundamentalen Daten für sich genommen, bieten also keine befriedigende Erklärung für das Verhalten von europäischen Investoren.

Umschichtung in passive Instrumente

Das Rätsel um die hohen Abflüsse klärt sich, sobald man sich die Entwicklung von Anleihe-Indexfonds betrachtet: Diese haben im zweiten Quartal aktiven Fonds den Rang abgelaufen. Während aktiv verwaltete Produkte Abflüsse in Höhe von 24,7 Milliarden Euro hinnehmen mussten, verbuchten die passiven Pendants Zuflüsse von gut 6,6 Milliarden Euro. Die untere Tabelle illustriert die Geldflüsse in Rentenfonds nach dem Aktiv-Passiv-Schema.

Anleihe-Fonds Europa: Mittelflüsse und verwaltetes Vermögen

Es ist zwar kein Geheimnis mehr, dass passive Rentenfonds in den vergangenen Jahren proportional zu ihrer Größe deutlich schneller gewachsen sind als aktiv verwaltete Rentenfonds. Da Indexfonds aber nur etwas über zwölf Prozent des europäischen Rentenfondsmarkts ausmachen, war ihr Wachstum bisher viel weniger spektakulär als das der Index-Aktienfonds, die inzwischen gut ein Viertel des europäischen Aktienfonds-Universums ausmachen. Doch das dürfte sich mit der Entwicklung im zweiten Quartal gründlich verändert haben. Spätestens ab jetzt werden Renten-Indexfonds nicht mehr unter dem Radar fliegen.

Es scheint so, als ob dem Rentenfonds-Segment nun eine ähnliche Entwicklung bevorsteht, wie sie auf der Aktienseite schon länger zu beobachten ist. Einfach gesprochen: Aktiv verwaltete Renten-fonds, die primär passiv agieren, haben ein Kostenproblem, das angesichts der weltweit niedrigen Zinsen heftig an den Fondsrenditen nagt. Ein konkretes Beispiel zum Nachrechnen: Die Umlaufrendite öffentlicher deutscher Anleihen liegt derzeit bei 0,25 Prozent. Die Kosten von Standard-Rentenfonds liegen im Schnitt bei über 0,8 Prozent pro Jahr. Die Underperformance vieler Fonds in diesem Segment ist damit praktisch vorprogrammiert. Passive Rentenfonds haben hier schon allein aufgrund der niedrigeren Gebühren eine bessere Performance-Prognose.

Hoffnungsschimmer Spezialmärkte

Die Anbieter von aktiv gemanagten Anleihefonds haben es derzeit zwar schwer: Die Zinsängste nehmen zu, die Notenbanken verabschieden nach und nach aus den Märkten. Das macht Anleihen allgemein nicht besonders attraktiv. Doch es gibt auch etwas Gutes daran: Anleger auf der Suche nach regelmäßigen Einnahmen müssen stärker selektiv vorgehen. In Nischenmärkten, die noch ausreichend Performance bieten, findet man selten passende Indexprodukte. Fokussiert investierende Fonds, deren Fondsmanager ihre Marktkenntnis und Erfahrung hier ausspielen können, haben in diesem Umfeld die Chance, sich bei Anlegern im Portfolio als trennscharfe Bausteine in der Asset-Allokation zu profilieren.

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