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Technologietitel unter Druck – Überwiegen Chancen oder Risiken?

Die erfolgsverwöhnten Investoren von US-Technologieaktien mussten in den vergangenen Tagen Leidensfähigkeit beweisen. Die Kurse der High Tech-Lieblinge an der Nasdaq gerieten deutlich unter Druck.

Einer der Gründe: Der Vorsitzende des Unterausschusses für Wettbewerb im Repräsentantenhaus, David Cicilline, kündigte eine Untersuchung über die beherrschende Marktstellung von Facebook, Google und Amazon an. Durch den Monopol-Vorwurf erhöht sich der Regulierungsdruck auf die Unternehmen, dem diese schon zunehmend in Europa ausgesetzt sind, auch im Heimatland. Grund genug für Anleger, über Bewertungen und das weitere Potential von Technologieaktien nachzudenken.

Fortdauerndes Momentum

Vom weiteren Potential der High Techs ist Scott Berg, Portfoliomanager bei T. Rowe Price, der sich kürzlich auf eine Research-Tour ins Silicon Valley begeben hatte, überzeugt: „Der Technologiesektor hat sich in kurzer Zeit dramatisch verändert und damit eine enorme Wertschöpfung generiert. Er ist mit vielfältigeren Märkten, Unternehmen und Geschäftsmodellen diverser als je zuvor und zeigt ein rasantes Wachstum.“ Aus Bergs Sicht macht sich bei den Technologie-Unternehmen im Unterschied zur Gesamtwirtschaft noch keine konjunkturelle Abkühlung bemerkbar. Der Experte verweist auf rege Investitionstätigkeiten der Unternehmen, die zwar kurzfristig die Margen belasten, sich aber längerfristig positiv auf die Gewinnsituation auswirken.

ML und KI

Wesentliche Zukunfts-Faktoren bei Technologieunternehmen sieht Berg in den Bereichen Maschinelles Lernen (ML) und Künstliche Intelligenz (KI). „Wir haben unser Engagement bei KI-bezogenen Unternehmen im vergangenen Jahr erhöht. Wir gehen davon aus, dass diese Technologie für viele Branchen wegweisend sein wird“, so der Experte. Profiteure dieser Entwicklung sind aus seiner Sicht die großen Technologiekonzerne und Internetplattformen, die über entsprechende Datenmengen, Rechnerleistungen und qualifiziertes Personal verfügen. Medienplattformen wie Netflix können ihre Dienste problemlos über Regionen und Branchen ausdehnen.

„Netflix hat sich zum größten Videounternehmen der Geschichte entwickelt – vor allem, weil die Reichweite nicht durch die Infrastruktur eingeschränkt ist. Dies ist ein entscheidender Vorteil gegenüber anderen Unternehmen, die Kabel verlegen oder Sendemasten aufstellen müssen“, erläutert der Portfoliomanager. „Die internationale Expansion hat es Netflix ermöglicht, die Kosten für qualitativ hochwertige Inhalte auf eine globale Kundenbasis zu verteilen.“ Cloud-basierten Softwaresystemen prophezeit Berg ebenfalls hohes Wachstumspotential.


In der zweiten Reihe

Der Experte empfiehlt neben den großen Plattform-Unternehmen auch zukunftsträchtige Unternehmen aus anderen Technologie-Bereichen ins Auge zu fassen. Dazu zählt er Firmen mit dem Geschäftsfeld IT-Zahlungsverkehr, die von Änderungen des Bezahlverhaltens der Konsumenten profitieren. „Unternehmen, die in diesem Bereich neue Software entwickeln, könnten langfristig profitieren – auch wenn sie heute noch recht unscheinbar daherkommen“, sagt Berg. „Aufgrund des kontinuierlichen Übergangs zu mehr Computermobilität, der zunehmenden Nutzung des Internetbankings und des allgemein wachsenden Technologiekonsums hat dies ein enormes Potenzial.“ Der Portfoliomanager empfiehlt den Technologiesektor weniger als abgegrenzten eigenen Bereich zu sehen, da der technologische Wandel Auswirkungen auf Geschäftsmodelle in allen anderen Sektoren nach sich ziehen würde.

Hohe Bewertungen

Rob Smith, Fondsmanager des Barings German Growth Strategie, hat vor allem den deutschen Technologiesektor im Blick: „Technologiewerte haben in den letzten Jahren ein deutliches Wachstum erfahren. Viele Technologieunternehmen versuchen auch, Branchen durch kontinuierliche Innovationen zu zerstören und ihre technologischen Vorteile zu nutzen, um dieses strukturelle Wachstum voranzutreiben.“ Allerdings mahnt der Barings-Experte vor dem Hintergrund, dass viele Technologieunternehmen sehr teuer geworden sind, zur Vorsicht. „So haben wir beispielsweise unsere Beteiligung an Wirecard gegen Anfang 2018 verkauft, da sich die Bewertung auf ein über 40-faches Kurs-Gewinn-Verhältnis erhöhte. 

Während wir weiterhin davon ausgehen, dass Wirecard von der umwälzenden Entwicklung des Zahlungsverkehrs von Bargeld zu Karte und vom anhaltenden Wachstum im E-Commerce profitieren wird, waren wir der Ansicht, dass andere attraktive Investitionsmöglichkeiten zu einem viel günstigeren Preis angeboten werden.“ Fondsmanager Smith setzt beispielsweise auf den Anbieter von IT-Lösungen S&T: „Wir glauben, dass dieses Unternehmen über ein überzeugendes Wachstumspotenzial verfügt, da es sich von einem traditionellen Hardwarehersteller mit niedrigen Margen zu einem Full-Service-Anbieter mit Fokus auf vernetzte Geräte entwickelt.“


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