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Warum grüne Anleihen „in“ sind

Der Markt für Green Bonds boomt. Nachdem in Deutschland vor allem Förderbanken wie die NRW.Bank oder die KfW die Pionierarbeit geleistet haben, emittieren nun immer mehr Staaten die sogenannten grünen Anleihen.

Grün ist derzeit eine angesagte Farbe. Als Klimakrisenleugner will sich schließlich Niemand beschimpfen lassen. Im Gegenteil: Wer sein unternehmerisches Handeln auch ökologisch sauber begründen kann, hat Vorteile, die sich in Heller und Pfennig bezahlt machen. So hat eine Studie des auf „sauberen Kapitalismus“ fokussierten kanadischen Datenanbieters Corporate Knights ergeben, dass es sich für Firmen lohnt, Kapital über Green Bonds aufzunehmen – zum Teil, weil die Konditionen für grüne Anleihen für die Emittenten oft attraktiv sind und zum Teil schon wegen des PR-Effekts. Corporate Knights schätzt, dass rund 17 Prozent der Investitionen großer Konzerne bereits mit grünen Anleihen finanziert werden könnten. Die Firmen müssten ihre Investitionspolitik also gar nicht dafür ändern. Im Klartext: Rund 17 Prozent der Investitionen erfüllen die Bedingungen, um als Green Bond bezeichnet zu werden. Im Klartext: Laut Definition muss mit dem eingesammelten Kapital aus solchen Anleihen zu rund 87 Prozent in erneuerbare Energien investiert werden – vor allem Wind und Solarenergie. Das ist ein starker Trend.

Immer mehr Unternehmen haben diese Chance erkannt und greifen zu. Seit die Europäische Investitionsbank 2007 den ersten grünen Bond auflegte, hat sich der Markt enorm entwickelt. Waren im Jahr 2008 weltweit nicht einmal eine Milliarde Euro in Green Bonds investiert, ist das Volumen nach Angaben der Bundesbank mittlerweile auf etwa 178 Milliarden Euro gewachsen. Allein im vergangenen Jahr haben sich die Neuemissionen auf 95 Milliarden Euro verdoppelt. Zum Vergleich: 2012 waren es gerade einmal fünf Milliarden. Genug Wachstumspotential ist weiterhin vorhanden: Der Anteil am ausstehenden Volumen beträgt gerade einmal 0,2 Prozent des gesamten Anleihemarktes.

Gründe für den grünen Boom

Doch der Markt wächst rasant, denn das steigende Angebot, dem die Frankfurter Börse seit einiger Zeit sogar ein eigenes Segment widmet, trifft auf noch größere Nachfrage. Green Bond-Emissionen stießen zuletzt auf so großes Interesse professioneller Anleger, dass sie oft mehrfach überzeichnet waren. Kein Wunder, denn der Green Bonds-Boom wird auch politisch gefördert. Angesichts des Klimawandels reagiert die Politik zunehmend mit Gesetzesinitiativen, die die nötigen enormen Investitionen in den Umweltschutz finanzieren. Bestes Beispiel dafür sind die verschiedenen Projekte der EU, darunter das Green-Finance-Gesetz und die Verabschiedung einer allgemein gültigen Taxonomie für Investitionen in der Europäischen Union. Green Bonds sind hier ein wichtiger Teil der Mobilisierung des Kapitals. „Am Thema Nachhaltigkeit führt für Unternehmen und Investoren, aber auch für die öffentliche Hand kein Weg mehr vorbei“, sagt etwa Wolfgang Köhler, Vorstand bei der DZ Bank und zuständig für das Kapitalmarktgeschäft der Genossenschaftsbank. 

Dabei verschiebt sich zusehends die Struktur der Emittenten. Schoben vor einiger Zeit vor allem Förderbanken wie die NRW.Bank oder die KfW den Green-Bond-Markt an, emittieren nun immer mehr Staaten grüne Staatsanleihen. Auch Deutschland mischt hier kräftig mit. Deutschland als führender Markt für Green Bonds – das ist von Berlin so gewollt. Die Bundesregierung hat eine Sustainable Finance-Strategie auf den Weg gebracht, die dafür sorgen soll, dass Deutschland eine Vorreiterrolle spielt, wenn es darum geht, ein nachhaltiges Finanzsystem aufzubauen. Zu den beschlossenen Maßnahmen zählt die Gründung eines Sustainable-Finance Beirates, der unter anderem die Wirtschaftlichkeit der Emission von grünen Bundesanleihen überprüft. Die Finanzindustrie hat den Ball aufgenommen und ihrerseits bereits einige Initiativen ins Leben gerufen. Dazu zählt etwa die „Energy Efficient Mortgage Initiative“ des Europäischen Hypothekenverbandes ECBC. Ziel dieser Initiative ist die Etablierung grüner Immobilienfinanzierungen in Europa und eine Verbesserung der bestehenden Datenlage. In diesem Rahmen soll auch analysiert werden, inwiefern bei grünen Immobilienfinanzierungen im Vergleich zu herkömmlichen Finanzierungen eine geringere Ausfallwahrscheinlichkeit beziehungsweise Ausfallschwere gegeben ist. In Deutschland koordiniert der Verband deutscher Pfandbriefbanken (vdp) als sogenannter „National Hub“ die deutschen Arbeiten der Initiative. Experten gehen davon aus, dass sich die Anzahl der Emittenten in Deutschland in den nächsten zwei Jahren mehr als verdoppeln wird.

Einheitliche Definitionen etablieren sich langsam

Die größte Herausforderung für die Finanzindustrie liegt derzeit noch in der Festlegung einheitlicher Qualitätskriterien für ökologisch nachhaltige Anleihen. Zwar gibt es freiwillige Standards wie die Green Bond-Principles sowie Mindeststandards für die Emission von sogenannten „Grünen Pfandbriefen“, die von den deutschen Pfandbriefinstituten verabschiedet wurden, um Investoren eine Gewissheit zu geben, dass Grüne Pfandbriefe die an sie gestellten hohen Anforderungen auch tatsächlich erfüllen. Doch bisher ist der Begriff „Green Bond“ leider nicht streng geschützt. Noch werden auf europäischer Ebene Vorschläge für einheitliche Vorgaben diskutiert. 

Fazit: Der Markt für Green Bonds steckt in weiten Teilen noch in den Kinderschuhen. Doch er wächst nicht mehr langsam und linear, sondern rasant. Die Umsätze haben sich zuletzt vervielfacht. Die nötigen, auch gesetzlich definierten, Standards, die demnächst kommen, werden dem Handel mit grünen Anleihen weiter Auftrieb verleihen.

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