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Warum manche ETFs den falschen Index abbilden

Bei Indizes wie dem DAX und dem MDAX fließen auch die Dividenden in die Berechnung der Indexkurse ein – ohne Berücksichtigung der Steuern. Das ignorieren die meisten ETFs.

Spätestens durch die Umstellung auf die Dividendenbesteuerung auf Fonds-Ebene ist die Berechnung des DAX oder des MDAX in klassischer Form für Anleger eigentlich nicht mehr realitätsnah. Denn die beiden Indizes sind sogenannte Bruttodividenden-Performance-Indizes, bei deren Berechnung auch die Dividenden der im Index enthaltenen Unternehmen einfließen – ohne Berücksichtigung von Steuern. Das kann kein ETF bieten.

Unterm Strich war das bisher zwar auch schon so. Denn Gewinne mussten ja auch schon bisher versteuert werden. Doch seit Januar 2018 ist es nicht einmal mehr „vor Steuern“ möglich. Denn „vor Steuern“ gibt es nicht mehr. Deshalb hat die  Deutsche Börse vor knapp zwei Jahren den DAX Net Return Index eingeführt, der die Besteuerung der Dividenden schon im Index berücksichtigt und damit einen Wert angibt, der die Realität für die Anleger widerspiegelt.

Um der seit Anfang 2018 geltenden steuerlichen Praxis nahe zu kommen, hätten ausschüttende ETFs seit Januar 2018 nun eigentlich als Basiswert einen Kursindex angeben können, der Ausschüttungen gar nicht berücksichtigt. Für thesaurierende ETFs wäre jeweils ein Net Return Index der passende Basiswert. Doch bis auf eine Ausnahme haben die Emittenten die Basiswerte ihrer DAX- und MDAX-ETFs nicht angepasst. ComStage strich einfach solche Zusätze wie TR und NR aus den Namen ihrer ETFs. Als einziger Emittent gibt die Deka mit ihrem Deka DAX UCITS ETF (ETFL01) immerhin den DAX Net Return Index als Basiswert an.

An der Berechnung der ETFs änderte sich damit aber nichts – weder bei der Deka  noch bei ComStage und auch nicht bei allen anderen Produkten anderer Emittenten. Denn dass bei einigen ETFs der Kursindex als Basiswert angegeben wird und bei anderen der Performance Index, spielt keine Rolle. Der Grund: Anders als bei Indexzertifikaten, die sich unterschiedlich entwickeln, je nachdem, ob sie einen Kurs- oder Performance-Index nachvollziehen, orientieren sich ETFs nur an der Zusammensetzung des jeweiligen Index. ETF-Anleger haben das Recht auf die Ausschüttung oder Thesaurierung der Dividenden, natürlich nach Abzug der Abgeltungsteuer.

Beim Basiswert eines ETFs geht es also eher darum, Orientierung über die Zusammensetzung und Entwicklung zu geben. Da Anleger in der Regel den DAX als Performance-Index kennen und die möglichen anderen Berechnungsmethoden eher weniger geläufig sind, wird es bei den meisten ETFs wohl auch im neuen Jahr bei der Angabe des Performance- oder Kurs-DAX als Basiswert bleiben. Die Steuerrealität bleibt dabei leider außen vor.

Verschiedene Index-Berechnungen im Vergleich

Total Return Index (TR)

Ein DAX TR Index ist der klassische, bekannte DAX Performanceindex – oftmals einfach nur DAX genannt. Für die Berechnung des Index werden alle Kapitalveränderungen und Dividendenausschüttungen eingerechnet.

Net Return oder Total Net Return (NR)

Auch beim Net Return Index handelt es sich um einen Performance-Index. Allerdings werden bei der Indexberechnung die Nettodividenden erst nach Abzug der Kapitalertragsteuer und des Solidaritätszuschlags rechnerisch berücksichtigt.

Kursindex

Der reine Kursindex spiegelt allein die Kursveränderung der im Index enthaltenen Aktien wider. Ausschüttungen bleiben völlig unberücksichtigt.

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