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Was Anleger von ihren Beratern über ESG wissen wollen

Das Thema Nachhaltigkeit ist en vogue. Viele Anleger wollen bewusster investieren. Ihr Problem: Mangelndes Wissen über die Möglichkeiten. Hier sind Finanzberater zunehmend gefragt.

Die EU-Kommission macht in Sachen Nachhaltiges Investieren Druck. Laut „Aktionsplan zur Finanzierung eines nachhaltigen Wachstums“ der Europäischen Union sollen Finanzberater und Vermögensverwalter demnächst in die Pflicht genommen werden, ihre Kunden im Rahmen der Beratung zu befragen, ob diese bei der Kapitalanlage ESG-Kriterien berücksichtigt wissen wollen. Antworten diese mit Ja, muss die Anlageberatung beziehungsweise die Vermögensverwaltung bei der Auswahl der Wertpapiere darauf achten, dass die Wünsche der Kunden zu nachhaltigem Investieren erfüllt werden. 

Das ist nicht einfach. Noch gibt es hier zwei fundamentale Probleme: Was die ESG-Kriterien Environmental, Social und Governance bedeuten und wie ethische, ökologische und soziale Kriterien Eingang in einen Investmentprozess finden können, ist noch nicht klar definiert. Finanzprofis können nicht auf eine Richtlinie oder einen allgemein gültigen Kriterien-Katalog zurückgreifen. Die sogenannte Taxonomie der EU zu nachhaltigem Investieren ist noch nicht endgültig verabschiedet. 

Das zweite Problem ist jedoch nicht minder heikel: Den meisten Anlegern ist überhaupt nicht klar, was Nachhaltiges Investieren bedeutet und welche Möglichkeiten es gibt. Das wurde bereits bei einer Umfrage der BaFin deutlich, die im Dezember des vergangenen Jahres durchgeführt und Mitte 2019 veröffentlicht wurde. Demnach haben 38 Prozent der Anleger in Deutschland den Begriff „Nachhaltige Geldanlage“ zwar schon einmal gehört. Rund 60 Prozent der Anleger können damit aber überhaupt nichts anfangen. Weitergehende Frage zeigten, dass selbst diejenigen, die den Begriff kannten, große Wissenslücken hatten. So waren etwa 19 Prozent der Meinung, es sei zur Bekämpfung des Klimawandels nachhaltig, in Atomkraft zu investieren.

Dass noch viel Arbeit vor der Finanzbranche liegt, ergab nun auch eine international angelegte Studie zum Anlegerwissen und -verhalten beim Thema Nachhaltigkeit, für die im Auftrag von Vontobel Asset Management rund 4600 Verbraucher in 14 Ländern befragt wurden. Dieser Studie zufolge denken zwar 73% der Sparer und Investoren, dass sich Unternehmen ethischer verhalten sollten, aber nur 29% von ihnen legen ihr Geld in nachhaltigen Anlagen an. Hauptgrund für diese Diskrepanz ist Mangel an Wissen und eine Überforderung durch die zahlreichen Fachbegriffe. So gaben 59% der Befragten an, nicht zu wissen, dass heute schon Investitionsentscheidungen gezielt unter Berücksichtigung von ESG-Faktoren getroffen werden können, obwohl fast die Hälfte von ihnen gerne mehr Informationen zum Thema ESG hätten. Nur 17% der Befragten erklärten, dass sie eine Anlageempfehlung erhalten haben, die ESG-Kriterien entspricht.

Chance für Anlageberater

Aufklärung in Sachen ESG tut Not. Für die Finanzbranche ist dies eine Herausforderung, aber auch eine Chance. Denn die Befragten sehen Finanzberater in der entscheidenden Schlüsselfunktion, um die Thematik eines ethisch wertebasierten Anlageansatzes durch Aufklärungsarbeit an ein breiteres Publikum heranzutragen. „Dies ist eine Chance für Finanzdienstleister, Anlegern das nötige Rüstzeug an die Hand zu geben, damit sie nach ihren persönlichen Werten und Überzeugungen investieren können“, erklärt Axel Schwarzer, Head of Vontobel Asset Management.

Das Potenzial für ESG-Anlagen ist jedenfalls riesig. Nachhaltige Investments zählen seit Jahren zu den Strategien mit den weltweit größten Wachstumszahlen. So stiegen die Mittel, die weltweit in nachhaltige Anlagen investiert wurden, allein in den Jahren 2016 bis Ende 2018 um mehr als ein Drittel auf über 30,5 Billionen US-Dollar. Vontobel geht davon aus, dass die Nachfrage nach nachhaltigen Anlagelösungen weiter steigt, nicht zuletzt auch aufgrund des EU-Aktionsplans. Der Druck aus Brüssel wird den ESG-Boom auf jeden Fall weiter befördern.

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