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Wochenausblick: Vor der Zahlenflut bleibt Anlegern wenig Orientierung

Im Spannungsfeld zwischen Zinsfantasien, einer durchwachsenen Konjunktur und mangelnden Impulsen aus Wirtschaft und Politik bleibt Anlegern in dieser Woche nur wenig Orientierung.

 

Ob der deutsche Aktienmarkt seinen jüngsten Aufwärtstrend fortsetzen kann, ist ungewiss. Ebenso unklar ist, ob die am Sonntag verkündeten Umbaupläne der Deutschen Bank über den Aktienkurs des Instituts hinausgehende Auswirkungen auf den Gesamtmarkt haben werden.

Erst am Donnerstag war dem Leitindex Dax , getrieben von einer Annäherung im US-chinesischen Zollstreit und der Aussicht auf eine weiterhin ultralockere Geldpolitik, ein zwischenzeitlicher Sprung auf 12 656 Punkte gelungen. So hoch war der Stand zuletzt im August gewesen.

Aus technischer Sicht besteht laut Chartanalyst Andreas Büchler vom Börsenmagazin Index-Radar zumindest die Möglichkeit eines weiteren Anstiegs - potenziell sogar bis auf mehr als 13 000 Punkte. Zu viel Euphorie sei aber trotzdem nicht angezeigt, da die Kurse in dem bevorstehenden Bereich in der Vergangenheit schon oft gedreht hätten. "Zumindest auf eine kleine Atempause sollten sich Anleger dort einstellen", erklärt Büchler.

Die großen Treiber der zurückliegenden Tage fehlen jedenfalls erst mal. Auf dem G20-Gipfel hatte US-Präsident Donald Trump seinem Amtskollegen Xi Jinping zuletzt zugesichert, auf eine angedrohte Ausweitung der Strafzölle vorläufig zu verzichten. Zudem hob er die Blockade gegen den chinesischen Telekomriesen Huawei bis auf Weiteres auf. Das von Beobachtern befürchtete Szenario einer Eskalation und damit eines möglichen Zusammenbrechens der Märkte war somit ausgeblieben. An den Börsen hieß es kurzzeitig Aufatmen.

Stattdessen richtete Trump seine Aufmerksamkeit wenig später auf die Europäische Union und drohte hier nun mit neuen Zöllen, als Vergeltung für verbotene Flugzeugsubventionen. Dem darauffolgenden Dämpfer an den Börsen wurde aber schnell durch die Nominierung Christine Lagardes als künftige EZB-Präsidentin Einhalt geboten. Experten erwarten, dass die derzeitige IWF-Chefin den expansiven Kurs Mario Draghis fortsetzen und die Zinsen weiter niedrig halten wird.

Für Anleger könnten Aktien vor diesem Hintergrund weiterhin im Vergleich zu anderen Anlagen wie Anleihen attraktiv bleiben. Allerdings: Mit der zuletzt deutlich gestiegenen Beschäftigung in den USA sehen manche Beobachter die erhoffte frühe Einleitung einer Zinswende durch die US-Notenbank in Gefahr. Es gilt allerdings weiterhin als relativ sicher, dass die Währungshüter früher oder später ihre zuletzt fester angezogene Zinsschraube wieder lockern werden.

Aufschluss geben könnten womöglich Auftritte von Fed-Chef Jerome Powell am Mittwoch und Donnerstag in Washington. Daneben dürften Anleger ihre Aufmerksamkeit auf Daten aus der Mai-Industrieproduktion aus Deutschland und der Eurozone richten, die am Montag und Freitag veröffentlicht werden. Experten rechnen hier mit einem weiteren Rückgang. Dafür spreche unter anderem, dass sich die Auftragseingänge in Deutschland zuletzt stark rückläufig entwickelt hätten. Grund sei unter anderem eine schwächere Nachfrage aus China.

Inmitten der Sommerferien ist es bald auch an den Unternehmen, für weitere Bewegung im Markt zu sorgen. "Da sich die Rahmendaten in puncto Geldpolitik und Handelsstreit vorerst wenig ändern dürften, wird die bald beginnende Berichtssaison mit Spannung erwartet", schrieb Investmentanalyst Frank Klumpp von der Landesbank Baden-Württemberg. Hier interessiere vor allem die Frage, wie sich die eintrübende Konjunktur und der Handelsstreit in den Zahlenwerken der Unternehmen niedergeschlagen haben. 

Bei der Commerzbank betrachtet man die Sache eher nüchtern. Die niedrigen Erwartungen der Analysten dürften sich für das zweite Quartal größtenteils bewahrheiten, wie Aktienstratege Markus Wallner schrieb. Für Investoren dürfte daher der Ausblick auf das zweite Halbjahr von besonderem Interesse sein. Viele Unternehmen würden hier einen Aufschwung erwarten, so Wallner. Er selbst sei da aber vorsichtig.

So oder so, in den kommenden Tagen trudeln ohnehin erst mal nur vereinzelte Werte ein. So legen am Mittwoch der Bioethanol-Produzent Cropenergies und am Donnerstag sein Mutterkonzern Südzucker sowie der Spezialverpackungshersteller Gerresheimer ihre Quartalsergebnisse vor. Lufthansa und Fraport veröffentlichen ferner ihre Juni-Verkehrszahlen, und zwar am Donnerstag beziehungsweise am Freitag.

Quelle: Karolin Rothbart, dpa-AFX/ kro/la/he

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